Autoren-Magazin

Unabhängige, kritische Informationen von Manfred Plinke für Autoren mit aktuellen News, Meinungen, Tipps, Seminaren, Adressen.
Zitat des Tages: »Selbstentblößung gehört nun einmal zum Geschäft des Dichters.« – Paul Muldoon

Autorenbibliothek

Fachliteratur für Literaten

Thomas Kraft (Hg.): aufgerissen - zur literatur der 90er
Iso Camartin (Hg.): Die Besten - Die Preisträger aus 25 Jahren Ingeborg Bachmann Wettbewerb (beide Piper Verlag) Zwei Bände, die für Nachwuchsautoren interessant sind, weil sie zeigen, wie heute anerkannte Schriftsteller begonnen haben: Die Besten, mit einem Vorwort von Marcel Reich-Ranicki, sind die, die beim Bachmann Wettbewerb vor einer kritischen Jury bestehen konnten. Durch Auszüge aus ihren Werken lernen wir sie kennen. Für Autoren, die wissen wollen, was preiswürdig ist. In aufgerissen stellen Kritiker die Autoren der 90er Jahre vor. Man lernt die Person des Autors und sein Werk kennen, dazu ein Porträt, seine Bibliografie und literarische Entwicklung.
Marlene Streeruwitz: Sein. Und Schein. Tübinger Poetikvorlesungen (edition suhrkamp)
Die Schriftstellerin geht auf die Prägung der Frau durch Angst und Unwertgefühl in der Kindheit ein. Wogegen der Mann durch die Verdrängung der Angst scheinbar schon zum Täter bestimmt ist. Diese Voraussetzung überträgt sie auf das Schreiben und die Sprache als Ausdruck. Die Reihe dieser Veröffentlichungen von Schriftsteller-Vorlesungen ist für Autoren wichtig und zu empfehlen.
Brigitte Oleschinski: Reizstrom in Aspik. Wie Gedichte denken (DuMont)
Von der "Notwendigkeit des Schreibens von Gedichten" - wie sie entstehen, was den Schreibimpuls im Alltag auslöst und wie Sprache den Inhalt bestimmt, zusätzlich ein Gespräch mit der Lyrikerin Elke Erb, Gedanken und Argumente. Wie Lyrik entsteht und Ausdruck findet.
Marcel Beyer: Nonfiction (DuMont)
"Ich schreibe in der ersten Person, ich sage etwas über mich, über diesen Menschen, der ich bin, der hier am Tisch sitzt und schreibt - und während ich Gedanken und Sätze forme, verwandelt sich dieses 'ich', wird es unter der Hand, im Verlauf der Sätze nicht zu einer anderen Person, aber zu einer Figur. Beim Schreiben verändert sich meine Stimme. Was ich schreibe, ist mit einer anderen Stimme gesprochen als das, was ich sage." Vorträge und Interpretationen zum Erleben und Entstehen von Dichtung und Prosa - unbedingt lesen!
Paul Auster: Das Buch der Illusionen, Deutsch von Werner Schmitz (Rowohlt Tb)
Nachdem seine Frau und Kinder bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen, stürzt sich der Literaturprofessor David Zimmer in die Arbeit an einer Biografie über den Stummfilmkomiker Hector Mann und dessen Filme. Hector jedoch ist bereits vor einem halben Jahrhundert spurlos verschwunden und halbvergessenen. David Zimmer erhält einen mysteriösen Brief und plötzlich tauchen auch verlorengeglaubte Filme auf, die Handlung entwickelt sich selbst wie ein Film und treibt auf ein unerwartetes Crescendo zu. Man muss dieses Buch lesen, weil es Literatur pur ist, phantastisch gut geschrieben.
  Ragni Maria Gschwend (Hg.): Der schiefe Turm von Babel. Geschichten vom Übersetzen, Dolmetschen und Verstehen. (Straelener Manuskripte Verlag)
Ein Buch von und für Übersetzer mit vielen Kostproben zum Thema literarischer Übersetzungen wie: Freund oder Feind? Übersetzer und Ihre Autoren oder Borges: Die Übersetzer der Märchen von Tausendundeiner Nacht.

Heinz Ludwig Arnold (Hg.): Da schwimmen manchmal ein paar gute Sätze vorbei ... Aus der poetischen Werkstatt

Schriftsteller schreiben über das Schreiben, Zweifel und Verzweiflung, Krisenbewältigung und erste Veröffentlichung, Erfolg. Gut, zu erfahren, wie es den Kollegen ergeht - macht Spaß und klärt auf.

Michael Bienert: Literarisches Berlin STADTPLAN. Dichter, Schriftsteller und Publizisten - Wohnorte, Wirken und Werke

In den ästhetisch ansprechend gestalteten Stadtplan eingetragen sind Literarische Institutionen, Treffpunkte und Denkmäler, außerdem Porträtfotos der Autoren, ihre Aufenthaltsorte und Äußerungen über Berlin

Javier Marias: Das Leben der Gespenster

Aus Wagenbachs Reihe Salto kommt dieser schöne Band in rotes Leinen gekleidet mit acht Essays, dem Schreiben und der Entstehung von Geschichten gewidmet, wie sich Fiktion im Kopf des Schriftstellers mit Erinnerungen und unmittelbaren Begegnungen verknüpfen: "Durch Beispiele aus der Literatur zeigt Javier Marias warum die strenge Form der Kunst so oft für Langeweile sorgt, die Abschweifung dagegen meist ein Vergnügen verspricht".

Rolf Vollmann: Der Roman-Navigator Zweihundert Lieblingsromane von der Blechtrommel bis Tristam Shandy

Nach seinen persönlichen Kriterien hat Rolf Vollmann bekannte und weniger bekannte Lieblingsbücher - von 1759 bis 1959 für jedes Jahr eines - gefunden und in wenigen Worten Merkmale und Inhalt beschrieben - als Navigator, dessen Auswahl wir folgen können, wenn uns die Richtung gefällt.

Rainer Groothuis: Wie kommen die Bücher auf die Erde? Über Verleger und Autoren, Hersteller, Verkäufer und: das schöne Buch. Nebst einer kleinen Warenkunde.

Der wohl anerkannteste Buchgestalter unserer Zeit läßt uns an seinen Gedanken und Einstellungen zum guten Buch teilhaben.

Joachim Scholl : 50 Klassiker - Romane des 20. Jahrhunderts

Durchgehend farbig illustriert mit Autorenporträts, Abb. der Original-Buchausgaben und Fotos aus Verfilmungen: Von Joseph Conrads Lord Jim bis Douglas Couplands Generation X, Kurzessays, Inhaltsangaben, Bewertung und ein kleines literaturwissenschaftliches Glossar zum Roman - sehr informativ.

 

Drei Bücher, die Britta Schwarz in Ihrem Ratgeber So verkaufen Sie Ihr Buch! empfiehlt:

1. Jürgen Ritsert: Kleines Lehrbuch der Dialektik

2. Marilyne u. Wyatt Woodsmall: Auf dem Weg zu exzellenter Kommunikation - Die 9 Schlüssel zum persönlichen und beruflichen Erfolg

3. Robert B. Dilts: Die Magie der Sprache - Angewandtes NLP

Das Grimmsche Wörterbuch

Wer sich beim Stichwort VOGEL durch 21 Seiten gelesen hat, wird schließlich mit der Erkenntnis belohnt, daß auch das vulgärsprachliche VÖGELN schon Jahrhunderte in deutschem Sprachgebrauch ist. Neben etlichen anderen Zitaten findet sich:
»und hintendrein komm ich bey nacht / und vögle sie, das alles kracht. Göthe«.
Der Grimm ist für Autorinnen und Autoren unverzichtbar. Seinen Preis ist dieses Wörterbuch zur Sprachentwicklung unbedingt wert - angesichts der unermeßlichen Wortschatzes, Vergnügens und Nutzens.

Simon Winchester: Der Mann, der die Wörter liebte. Eine wahre Geschichte

Die Geschichte des legendären Oxford English Dictionary im viktorianischen England. Über ein halbes Jahrhundert währte die Arbeit an diesem Sprachmonument, das mit Hilfe zahlreicher freiwilliger Mitarbeiter entstand. Einer aus dem Heer dieser Mitarbeiter war der geradezu unentbehrlich gewordene W.C. Minor, mit dem Murray stets korrespondierte - bis er ihn schließlich in der Straf- und Irrenanstalt Broadmoor besuchte... jetzt als Taschenbuch.

Klaus Bednarz und Gisela Marx: Von Autoren und Büchern. Gespräche mit Schriftstellern

Literatur im Römer heißt die von der Stadt Frankfurt und dem WDR veranstaltete Literaturreihe, aus der die Gespräche mit Schriftstellern wie Marcel Beyer, Eva Demski, Durs Grünbein, Sarah Kirsch, Thomas Kling, Heiner Müller, Peter Rühmkorf entnommen sind. Auch wenn die Fragen manchmal eher für ein allgemeines Publikum formuliert sind, geben die Schrifsteller Einblicke in ihr Denken, Schreiben und Leben.

André Müller: ... über die Fragen hinaus Gespräche mit Schriftstellern

Nach Thomas Bernhards Motto "Wenn man an den Tod denkt, ist alles lächerlich", verführt der bekannte und gefürchtete Interviewer Autoren im Gespräch zu offenbarenden, manchmal intimen Äußerungen: Handke: "... bin ich ein Ekel, Ekelpeter." Über Reich-Ranitzki: "Ich glaube, daß ihm der Geifer noch immer von den Fangzähnen tropft." Das Buch hat es durch und durch in sich.

Günter Grass: Der Schriftsteller als Zeitgenosse

Der Nobelpreisträger äußert sich in einer Sammlung von Reden und Aufsätzen zu gesellschaftlichen, politischen und literarischen Themen der vergangenen drei Jahrzehnten - manchmal polemisch wie man ihn kennt oder humorvoll wie man ihn seltener erlebt.

Stephen King: Das Leben und das Schreiben

Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer Crash Kurs in Kreativ Schreiben mit praktischen und literarischen Beispielen und vielen Textauszügen, guten wie schlechten, aus der Schreibwerkstatt des Horror-Kings. Lohnendes Buch mit spektakulärem Schutzumschlag

Perikles Monioudis (Herausgeber): Schraffur der Welt. Junge Schriftsteller über das Schreiben

Eine Anthologie von Beiträgen über das Schreiben von jüngeren deutschsprachigen Autoren. Besonders lesenswert die Beiträge von Stefan Beuse, Katharina Hacker, Georg M. Oswald und als literarisches Schmuckstück Der Feuerberg von Zoe Jenny.

 

André Schriffrin: Verlage ohne Verleger
Über die Zukunft der Bücher

Mit einem Nachwort von Klaus Wagenbach, Verleger gegen den Mainstream: "Es gibt auch einen kapitalistischen Kommunismus, wo am Ende fünf Konzerne über das bestimmen, was in unseren Köpfen zu geschehen hat." Die Lektorate werden kleinrationalisiert: "Das Gehirn in den großen Verlagen ist geschrumpft." Gerade erschien im Verlag Klaus Wagenbach Berlin dieses brandaktuelle Buch. Pflichtlektüre für alle Literaten!

Hans Peter Wilberg und Friedrich Forsmann: Erste Hilfe in Typografie

Immer mehr Autoren verlegen ihre Bücher selbst. Dieser übersichtliche Gestaltungsratgeber hilft ihnen, dem Buch ein Gesicht zu geben.Gut aufgebaut, sehr übersichtlich, voller Beispiele, auch was die Papierwahl angeht., eine große Hilfe für wenig Geld!

»Eigentlich wollte ich nie Verleger werden...

Das Beispiel meiner Eltern schreckte zu sehr.  ... Mit dieser Welt, die einen Menschen so ganz mit Haut und Haaren fraß, daß Arbeit und Privatleben nicht mehr auseinanderzuhalten waren, wollte ich nun wirklich nichts zu tun haben.« Christoph Links, Ch. Links Verlag Berlin 

Hrsg. Wieland Zirbs: Literatur Lexikon
Daten, Fakten und Zusammenhänge

Illustriert und ausführlich erklärt werden Fachbegriffe aus der Literatur von A wie Absurdes Theater bis Z wie Zensur, aus dominierenden Literatur-Richtungen, ihrer bekanntesten Autoren, deren Lebenslauf, Entwicklung und wichtigsten Werke, gut geeignet für interessierte Jugendliche.

Nina Schindler: Das Mordsbuch.
Alles über Krimis

Aufgepaßt Krimi-Fans: Ein mörderisch wichtiges Buch zum Thema Wie Wann Womit - unglaublich informativ, fast ein Lexikon der Genres nur ausführlicher, illustriert, und jede Markt wert!

Zindel, Udo /Wolfgang Rein (Hg.): Das Radio-Feature - 
Ein Werkstattbuch

Ein Buch aus der Praxis des Hörfunk-Features, das auch technische Grundkenntnisse vermittelt - wichtig für Seiteneinstei-ger. Gut geschrieben und für die Ohren liegt auch noch eine CD mit Beispielen herausragender Sendungen bei.

Michel, Karl Markus; Karsunke, Ingrid; Spengler, Tilman (Hrsg): Kursbuch: Das Buch

Diesmal ein Autoren-Thema mit ganz lebensnahen Beiträgen zum Alltag und praktischen Problemen der beteiligten »Kulturträger«, teils schön ironisch, auch mal bitter-ernst, gelegentlich aufklärend...

Politycki, Matthias: Die Farbe der Vokale
268 Seiten, Luchterhand Literaturverlag, 1998, DM 38,- 
Aufsätze zum Schreiben und zur Lyrik, die jeder Autor kennen sollte!

Belletristik von, mit und für Literaten

Charles Simmons: Belles Lettres Deutsch von Klaus Modick, Ulrike Draesner (C.H. Beck)
Charles Simmons, dreißig Jahre Redakteur des New York Book Review, hat diesen Roman als Satire angelegt, geht es doch um eine (fiktive) Literaturzeitschrift. Eine Insiderstory also: Vorgeführt werden die wenig belesenen Inhaber eines Zeitungsimperiums zu dem die Zeitschrift Belles Lettres gehört, die Machtkämpfe und Intrigen als ein neuer höchst unbeliebter Chefredakteur eingesetzt wird. So ganz unbekannt erscheint auch die Frage nach den Kriterien bei der Wahl der 25 bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller nicht. Aber richtig schön wird es als plötzlich neun bisher unbekannte Shakespeare Sonette erscheinen, die beweisen sollen, dass der Dichter schwul war ...

Dorothea Dieckmann: Damen & Herren (Klett-Cotta)

Dorothea Dieckmann, Literaturkritikerin, Essayistin und mehrfach ausgezeichnete Autorin hat ein Klassentreffen beschrieben, bei dem viele Leser ihre Abneidung gegen einen Trip in die Vergangenheit bestätigt finden werden - besonders wenn "sie" nach 20 Jahren als Poetin entlarvt wird und nachträglich büßen muss ...

Jostein Gaarder: Der Geschichtenverkäufer Deutsch von Gabriele Haefs (Hanser)

ER will nicht Schriftsteller werden, aber er rettet durch seine Geschichten viele Schriftsteller, die ohne Muse und ausgetrocknet sind. Durch ihn und seine Geschichten werden sie berühmt. Er verkauft seine Fantasie, Romanideen, Vorschläge für Erzählungen, Ideen und Gedicht an die Blockierten - und das zu guten Preisen. Dann aber wendet sich alles gegen ihn ... mehr wird nicht verraten. Ein spannendes Ideengespinst von einem erdacht und geschrieben, der selbst ein Professioneller ist !

Jean-Pierre Gattégno: Der Geschichtendieb Deutsch von Karin Balzer (Reclam Leipzig)

Ich liefere meine Geschichte und Sie werden berühmt, lautete das Angebot eines Unbekannten an den heruntergekommenen Groschenromanschreiber. Er soll die Lebensgeschichte eines Serienkillers schreiben und dafür mehr als großzügig bezahlt werden. Seine Zweifel an dem Deal werden beseitigt als er, wie angekündigt, die Leiche einer ermordeten jungen Frau unter seinem Fenster entdeckt. "Ein Buch über Geschichtenräuber und eine Hommage an diese Räuber, ohne die es keine Literatur geben würde."

Ian McEwan: Abbitte Deutsch von Bernhard Robben (Diogenes)

Die dreizehnjährige Briony, die sich bereits als Schriftstellerin fühlt, lässt sich von ihrer Fantasie verleiten und zerstört dadurch das Leben ihrer nächsten Angehörige. Großartig sind die Charakterdarstellungen und die poetische Sprache, in der Kindheit, Einsicht und vergebliche Reue geschildert werden. Die Beschreibungen des Einsatzes englischer Soldaten in Frankreich und die Kämpfe gegen den deutschen Feind während des zweiten Weltkriegs sind einzigartig menschlich und berührend.

Bodo Kirchhoff: Schundroman (Frankfurter Verlagsanstalt)
Martin Walser: Tod eines Kritikers (Suhrkamp)
Die beiden Skandalromane über den deutschen Literaturbetrieb, in denen sich einige noch lebende Personen verewigt fühlten: Zwei bekannte deutsche Schriftsteller hatten den gleichen Gedanken, das Gefühl, dass die Zeit reif sei für dieses Thema. Bodo Kirchhoff beschreibt es so: "Das Sizilianische unseres Literaturbetriebs lieferte die Notwehrlage für diesen Roman aus der Hüfte ..."
Arne Dahl: Böses Blut Deutsch von Wolfgang Butt (Piper)
"Man kann nicht Kritiker sein, ohne sich den Hass anderer Leute zuzuziehen", - eine weise Einsicht, die der Mann hatte als er noch lebte. Noch ein umgebrachter Literaturkritiker, der nie geahnt hätte, dass sein Mörder ihm erst die Stimmbänder durchschneidet, um ihn dann lautlos foltern zu können. Danach sucht sich der Mörder glücklicherweise die weiteren Opfer außerhalb des Literaturbetriebs, was dem Krimi nichts an Spannung nimmt, vor allem weil der Plot bis zu den letzten Seiten nicht ahnen lässt, wer aus welchem Motiv so fleißig killt.
Wilhelm Genazino: Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman
Mit 17 vom Gymnasium geflogen, die Enttäuschung seiner Eltern - ein schlechter Start, um Schriftsteller zu werden. Daher wird der junge Mann als erstes Lehrling in einer Spedition und heimlich abends Reporter für eine Lokalzeitung. Was ihn antreibt ist seine Vorstellung von dem, was es braucht um sein Ziel zu erreichen: Eine Frau, eine Wohnung und einen Roman. Der Weg dahin ist ein Doppelleben zwischen der Realität des Alltags und der Entdeckung der Literatur darin. Am Ende zweifelt er nicht mehr daran, dass er sich "in einem ungeschriebenen Roman bewegte" - eine höchst poetische Vorstellung!
Enrique Vila-Matas: Die merkwürdigen Zufälle des Lebens Deutsch von Petra Strien (Nagel & Kimche)
Marcelino will zwei Frauen für sich, noch dazu Schwestern: Die eine liebt er, die andere macht ihn verrückt. Diese immer nur halb befriedigende Situation beschert ihm die Idee einen Vortrag über die Parallelen zwischen Schriftstellern und Spionen zu halten. Er ist nämlich sein lebendes Vorbild: Schon als Kind hat er Salvador Dalí beschattet und Graham Greene hat ein Tintenfass nach ihm geschleudert. Seine persönliche Situation wird allerdings durch seinen literarisch motivierten Voyeurismus nur problematischer ...

Sigrun Casper: Salz & Schmetterling (Konkursbuch Verlag)

Schriftsteller und Dichterreise nach Rumänien, ein Treffen zwischen Schreibenden, die die anderen und ihre Werke kennen lernen wollen. Die Protagonistin und der fremde Mann fliegen wie Schmetterlinge einander zu, Poesie erzeugt Erotik. Stimmung: Bonjour Tristesse.

Stephen Fry: Der Lügner Deutsch von Ulrich Blumenbach (Aufbau Taschenbuch)

Der 15jährige Adrian Healey wird in eine Mordaffäre verwickelt, in der ein pornografischer Roman von Charles Dickens, seltsame Regeln fürs Kricketspielen, ein internationaler Spionagering und eine Wahrheitsmaschine eine Rolle spielen. So sehr Adrian, Bücher und sexuelle Perversionen liebt, so wenig liebt er die Wahrheit und diese kleine Schwäche bringt ihn in große Schwierigkeiten.

Edmund Crispin: Der wandernde Spielzeugladen Deutsch von Eva Sobottka (DuMonts Kriminal-Bibliothek)
Das erste Kapitel ist schon vielversprechend: Die Episode vom draufgängerischen Dichter. Und dann geht's mit dem Lyriker Cadogan in die Schreibblockade, gegen die ihm Abenteuer helfen sollen. Er findet die Leiche einer Frau, wird für geistig verwirrt gehalten und spielt mit seinem Freund, dem Oxforder Literaturprofessor, Literaturquiz wie Scheußliche Shakespeare-Zitate oder Unlesbare Bücher - ein Krimi voller literarischer Anspielungen.

Yael Hedaya: Zusammenstöße. Eine Liebesgeschichte Deutsch von Ruth Melcer (Diogenes)

Ein ganzes Buch davon wie ein verwitweter Schriftsteller und eine Single Schriftstellerin sich begegnen und irgendwann den Mut aufbringen zusammenzuleben - trotz einer Tochter im sensiblen Alter und gegen die Skepsis besonders selbständiger Individuen. Leben und Familie in Israel, Erotik gekonnt beschrieben, und Tricks wie man eine Blockade versteckt - gute Unterhaltung .

Marcel Theroux: Wer war Patrick March? Deutsch von Ulrike Wasel, Klaus Timmermann (C.H. Beck)

Manchmal, wenn er resigniert und unzufrieden ist, fragt sich Damien March, BBC-Nachrichtenredakteur, selbstquälerisch "Wer bin ich?". Aber das lässt er schnell bleiben, nachdem er das Haus seines exzentrischen Onkel Patrick geerbt hat. Von da an fragt er nur noch "Wer war Patrick March?" Vor allem als er in dessen Haus das unvollständige Romanmanuskript Die Bekenntnisse des Mycroft Holmes findet, in dem es um Mord und Betrug geht. Noch dazu entschlüsselt er die verdeckten Hinweise auf eine Tragödie, die ihn selbst betrifft.

A.L. Kennedy: Alles was du brauchst Deutsch von Ingo Herzke (Wagenbach)
Ungestört auf einer Insel leben und schreiben - was ein Schriftstellerparadies sein könnte wird zur Hölle für seine Bewohner. In ihren Häusern kämpft jeder für sich mit seiner Blockade und der Herausforderung bis zu den äußersten Grenzen zu gehen, sogar bis zum Tod. So wenig die Atmosphäre dazu geeignet zu sein scheint, hier entwickelt sich ein junges Mädchen zur Schriftstellerin und schreibt ihren ersten Roman. A.L. Kennedy ist in jeder ihrer Figuren überzeugend - 573 Seiten lang. Unbedingt lesen!

Patricia Highsmith: Das Zittern des Fälschers Dirk v. Gunteren, Nachwort von Paul Ingendaay (Diogenes)

Der Klassiker und für viele Highsmith-Verehrer einer der besten Romane, in dem die Schreibmaschine des Schriftstellers zur Selbstverteidigungswaffe wird: dichte psychologische Charakterdarstellung und großartige Situationsbeschreibungen.

Philippe Djian: Schwarze Tage, weiße Nächte Deutsch von Ulli Wittmann (Diogenes)

Total unten ist der ehemals erfolgreiche Schriftsteller Francis, der sich damit über Wasser hält, dass er seinen wohlhabenden Bekanntenkreis mit obskuren Kapseln, Tinkturen und Absinth versorgt. Dann fragt ihn seine tote Frau, mit der er ständig im Gespräch ist: Warum versuchst du es nicht mit einem Porno? Bei der Verwirklichung des Projekts geht es nicht zimperlich zu - etliche harte Sexszenen in ironischer Reizwäsche.

Judith Kuckart: Die Autorenwitwe (DuMont)

In dieser Sammlung von Erzählungen treten zwei männliche Schriftstellerexemplare auf: Oskar Stosskopf (schon der Name!) in "Autorenwitwe" und Wendisch, der Novellenschreiber in "Dorfschönheit". Beide werden als unwiderstehliche Egomanen dargestellt und die Frauen als Gefühlsmasochistinnen, von Schriftstellern seelisch und physisch missbraucht. Judith Kuckart zieht den Leser durch das überraschende Verhalten ihrer Figuren musterhaft mit in ihre Geschichten hinein und liefert ihm gleichzeitig genug zum späteren Reflektieren.

Katrin Askan: Wiederholungstäter (Berlin Verlag)
In der Erzählung "Erste Klasse" ist es ein von Stipendien lebender, und wenig erfolgreicher Schriftsteller, der auf einer Zugfahrt erlebt wie wenig er der Wirklichkeit und seinen Mitreisenden gewachsen ist, während er darüber nachdenkt, dass seine Autobiografie einen Erfolg verdient hätte und die nachwachsende Schriftstellergeneration als "impertinent" bezeichnet. Die Erzählung Wiederholungstäter dagegen ist reine Spannung und gewalttätiges Verwirrspiel: Eine Frau sitzt am Computer, ein Mann im Park in einem Gebüsch und die Szene einer Vergewaltigung als erzählte oder nacherzählte Tat sind nicht mehr zu unterscheiden. Das ist sehr gekonnt und hautnah überzeugend nachempfunden.

Jakob Arjouni: Idioten. Fünf Märchen (Diogenes)

Alles dürfen Sie sich wünschen, nur nicht: Unsterblichkeit, Gesundheit, Geld und Liebe. Da merkt man erst einmal wie schwierig das Wünschen ist. Gut dass man erfährt, was für dumme oder kluge Wünsche die anderen haben. Zum Beispiel der Groschenromanschreiber Ohio, der verzweifelt an seiner Kriegsgeschichte sitzt und nicht weiterkommt. Auch ihn besucht die Fee und was wünscht er sich "... einen Ton und eine Erzählperspektive für die Szene ... an der ich seit über einer Woche sitze und mit der ich kein Stück weiterkomme". Und sogar das kann die Fee!

Sarah Khan: dein film

Der ultimative Vampir-Film soll entstehen und dazu braucht Vlad ein gutes Drehbuch - aber Sonja, die er sich dafür ausgesucht hat, will nicht mitspielen. Szenetalk und Probleme.

Birgit Vanderbeke: abgehängt

Schriftstellerin trifft ihren Literaturagenten, erhält anonyme Drohanrufe und lernt die Angst kennen - behandelt mit schwarzem Humor: "Bücher isolieren phantastisch." "Allerdings brennen sie auch vorzüglich."

Cynthia Victor: Mit fremder Feder

Als der bekannte Schriftsteller nach einem Unglück für tot erklärt wird, findet seine Frau heraus, daß er sie betrogen und mit ihren Kindern ohne Geld zurückgelassen hat. In ihrer Verzweiflung entschließt sie sich, unter dem Pseudonym ihres Mannes weiterzuschreiben und erlebt seine Auferstehung, die zu einem mörderischen Finale führt.

Jean Banbury: Von einer, die auszog

Jack Londons "The Cruise of the Snark" als signierte Erstausgabe in einem Antiquariat billig an- und gleich darauf weit unter Preis verkauft, bringt die Aushilfsbuchhändlerin Jill in Lebensgefahr. Die fast erwachsene Heldin erlebt ihr schmerzenreiches Buchwunder auf der Flucht und bei der Suche nach dem unbekannten Käufer.

Javier Marias: Schwarzer Rücken der Zeit

"Ich glaube, daß ich Fiktion und Wirklichkeit noch nie verwechselt habe, wenn ich sie auch mehr als einmal miteinander vermischt habe, wie es jeder tut, nicht nur die Romanciers, nicht nur die Schriftsteller, sondern alle, die ... etwas erzählt haben ..." Essay oder Erzählung? die Kritiker rätseln und schwanken zwischen autobiografischen und fiktiven Enttarnungen in diesem mit authentischen Abbildungen illustrierten Band - ein Buch über oder zum Hintergrund des Entstehens von Aller Seelen.

Brigitte Kronauer: Das Taschentuch

Eine Schriftstellerin spürt ihrer bürgerlichen Kindheit und Jugend nach und versucht ihre besonderen Freundschaft zu dem eigenwilligen Willi Wings zu ergründen. Ein sehr lebendiger Nachruf und ein Zeitbericht mit pointierten Gesellschaftsporträts.

Karen Duve: Regenroman

Das Traumhaus am Rande eines ostdeutschen Moors wird für den Schriftsteller Leon und seine junge Frau zur Falle. Der ständige Regen, die allgegenwärtigen Schnecken, der brutale Auftraggeber, der mit dem Inhalt seiner Autobiografie nicht zufrieden ist, die Nachstellungen der nymphomanischen Nachbarin und deren lesbischer Schwester .... Hochspannung - und ein verdientes Ende.

Katja Lange-Müller: Die Letzten - Aufzeichnungen aus Udo Pobichs Druckerei

In einer DDR-Privatdruckerei, in der der Bleisatz als Handwerk überlebt, arbeitet Püppi, die linkshändige Setzerin mit ihren drei männlichen Kollegen. Darunter einer, dem die Erfindung einer konspirativen Typografie in "Formen aus nichts" zum Überlebensventil wird: "Zwischen den schwarzen Wörtern des großen Thomas Mann spukten die weißen Flüche einer kleinen, gepeinigten Seele" - tragisch, ironisch und ganz und gar überraschend.

Aline Akbari/Matthias Mayer: Ausgelesen - Der Roman der letzten Sätze

Ein kurzer Roman, dessen Inhalt aus 375 Endsätzen fremder Werke der Weltliteratur zu einer neuen Handlung geformt wurde Fleißarbeit und Experiment. Das ganze zwischen zwei interessant gestalteten Deckeln. Empfohlen wird, die rechte Glossar-Seite abzudecken und die eigene Literatur-(Un)Kenntnis zu prüfen ...

Gérard Otremba: Die geheimen Aufzeichnungen des Buchhändlers

Ein großer Spaß für Buchkäufer und ein Geschenk für ihre Freunde - Textauszug siehe Handbuch für Erst-Autoren.

Gérard Otremba ...Ein weiterer Tag im Leben des Buchhändlers

Dritte Auflage der Fortsetzung - siehe "Die geheimen Aufzeichnungen"

Schmökel/Piberhofer (Hg): Geliebte in anderen Häusern - Verleger geben Auskunft über ihre Lieblingsbücher, die leider in anderen Verlagshäusern erschienen

Einundzwanzig Verleger, enthusiastische Büchermacher, bekennen sich zu Büchern, die sie gern gemacht hätten - den Geliebten in anderen Verlagshäusern. Der Leser erfährt dabei viel über Autoren, Verlage und das ganze Gewerbe rund ums anspruchsvolle Buch.

Thomas Schwab: Der Leser auf Reisen

Ding-Gedichte, die sich mit Körper und Haut des Buches befassen, "Zur Physignomie der Seite": ... Die Narben der Eselsohren/Sind Schrecken ihres Lebens, "Blindprägung" beschrieben: ... als hätte die Schrift keine Augen mehr - für echte Buchliebhaber

Ida Cermak: Ich klage nicht - Begegnungen mit der Krankheit in Selbstzeugnissen schöpferischer Menschen

Woran Schriftsteller erkranken - physische Leiden der Dichter und Denker psychologisch erklärt, mit Zitaten der Betroffenen zu ihrer Krankheit und ärztlicher Interpretation.

Patricia Highsmith: Kleine Geschichten für Weiberfreinde

Kürzestgeschichten: Ein Fressen für Feministinnen und Weiberfeinde.

Ennio Flaiano: Melampus

Die verrückte Geschichte eines Drehbuchautors, vom Erfolg verlassen: "Nie so sehr im Zweifel über meine Story wie heute abend", und seiner hinreißenden Geliebten, die das Wesen eines Hundes annimmt: "L.B. legte ... den Kopf auf meine Knie, und ich fand die Kraft, ihr den Nacken zu kraulen". Amüsant und selbstironisch.

Javier Marias: Geschriebenes Leben - Ironische Halbportraits

26 Schriftstellerportraits, weibliche und männliche, von hochverehrten Schreibern, die tot genug sind, um auch sehr Intimes über sie zu verraten, eine Fundgrube von Schriftstellerklatsch, literarisch behandelt!

Hannes Binder, Urs Widmer: Das Buch der Albträume

"Es kann schon sein, daß Dichter Dichter fressen. Warum nicht, gute Idee, Herr Ober, die Karte ...", und andere Albträume, nicht nur im Genre, 21, ganzseitig s/w illustriert mit Zeichnungen und haarsträubendem Text - für hartgesottene Traumdeuter.

Connie Palmen: Die Erbschaft

Todkranke Schriftstellerin sorgt sich um ihren literarischen Nachlaß, findet einen freien Lektor, der ihre Papiere archiviert und als literarisch gebildete Gesellschaftsdame fungiert. Max soll ihr Erbe antreten und ihren Roman zu Ende schreiben...

Leon de Winter: Leo Kaplan

Der Schriftsteller Leo nutzt seine wortreiche Profession gern zur Selbstdarstellung: "... sinnlosen Ereignissen, dem nichtigen Leben auf dieser Erde eigen, hatte er mit literarischen Mitteln zu Sinn und Bedeutung verholfen." Eine Analyse, die erst nach 250 Seiten und unzähligen weiteren Erkenntnissen zu einem anderen Leon führt.

Tesich, Steve: Abspann
Übersetzt von Heidi Zerning
Der liebe Gott hat kein Mitleid mit dem fähigsten Scipt-Flicker der USA. Sein Leben ist eine Folge beschissener Drehbuch-Auftragszwänge.Es mangelt weder an Alkohol noch an wohlmeinenden Frauen und lebenskranker Ennui. Nach 522 Seiten hat S. Karoo endlich sein persönliches Drehbuchende erreicht. Dem Leser tränen die Augen beim Finale, er geht seelisch in die Knie und dankt seinem Schöpfer.

Kurkow, Andrej: Picknick auf dem Eis
Übersetzt von Christa Vogel
Nachrufeschreiben ist nicht das Schlimmste, wenn sich keine Romanidee entdecken lässt und Geld knapp ist. Der Autor ernährt sich und seinen Pinguin, aus dem Zoo in Kiew vor dem Hungertod gerettet, nicht schlecht damit. Ungemütlich wird es, als der Autor entdeckt, daß er seine Nekrologe für noch Lebende schreibt, die es meist kurz darauf erwischt ... Am besten ohne jede Unterbrechung lesen!

Grün, Heinrich: Sex ist gut fürs Denken - Der erotische Zitatenschatz

Mein Lieblingszitat: »Schreiben macht scharf.« Arno Schmid - Zitatensammlung aus der Weltliteratur, inklusive Schmuddel-Kinderverse.

Rauch, Tanja (Hrsg): Iss was - Schriftstellerinnen und Schriftsteller stürmen das kalte Büfett 

Anthologie u.a. mit Beiträgen von Sybille Berg, Zoe Jenny, Dagmar Leupold, Burkhard Spinnen, Alissa Walser. Nicht jede Geschichte macht hungrig: Die Schweizer Schriftstellerküche enthält detaillierte Anweisungen zur Zubereitung von Kollegen.

Spitzweg, Carl: Und abends tu ich dichten - Gedichte und Zeichnungen herausgegeben von Eckhard Grunewald

Daß Spitzweg, der Maler des armen Poeten, auch gereimt hat, ist wenig bekannt - interessant zwar, aber ach, wär er doch beim Malen geblieben.

Tabucchi, Antonio: Die letzten drei Tage des Fernando Pessoa
Übersetzt von Karin Fleischanderl

Der große Dichter Pessoa verabschiedet sich auf dem Totenbett von seinen sehr lebendigen Doppelgänger-Pseudonymen - Tabucchis Sprache ist reine Poesie derart, dass man nicht genug bekommen kann.

Meckel, Christoph: Dichter und andere Gesellen

Christoph Meckel, ein Multitalent, dem die Sprache und das Bild gleich viel bedeuten, erzählt in 32 Porträts von seinen Künstlerfreundschaften und auch diese Prosa gelingt ihm beinahe im lyrischen Stil.

Stamm, Peter: Agnes

Der Debütroman, den man nicht aus der Hand legt: Ein Autor begegnet seiner Liebe, und beginnt schon bald ihr Ende zu beschreiben.

Schami, Rafik: Sieben Doppelgänger

Sollten Sie je  Lesungen machen müssen, hier erfahren Sie, was es bedeutet! Ironisch, witzig, eine Offenbarung!

Kalender

 

Arche Literaturkalender 2006

Arche Kalender 2006:

Arche Postkartenkalender 2006

 

Aufbau Literaturkalender 2006

 

Arche Küchenkalender 2006

 

 

 

Fliegende Wörter haben Geburtstag
Der einzigartige Literatur-Postkartenkalender des Daedalus Verlags erscheint 2006 im zwölften Jahr. Auf jedem Wochenblatt wird die Stimmung der ungewöhnlichen Gedichtauswahl durch die grafische Gestaltung nachempfunden. Und wer sich eine Woche lang an einem sattgelesen hat oder es inzwischen auswendig weiß, kann es an einen guten Freund als Postkarte weitersenden.
Fliegende Wörter 2006 - 53 Qualitätsgedichte zum Verschreiben und Verbleiben für Zeitreisende, Sprachspieler, Kenner und Genießer, 56 Bl., Daedalus Verlag Münster, www.daedalus-verlag.de

Literatur-Comics

 

Nika Bertram: Der Kahuna Modus

Der von Lillian Mousli illustrierte, abartig intelligente, ausgeflippte Debutroman aus dem Leben einer Comiczeichnerin, in dem alle Genres neben Literatur, Technik und Kunst, Musik und Computer, Mensch-/Tierverwandlung und Geschlechterverwandlungen genutzt werden, um über die Liebe und das Dasein ihrer sich wandelnden, verwandelnden Lustobjekten in Rabe, Ratte oder Fledermaus und zurück zu erzählen: atemberaubend! Mehr unter www.kahunamodus.de

Bedürftig, Friedemann: Goethe - Zum Sehen geboren

Goethes Leben als Comic Strip, illustriert von Christoph Kirsch mit Original-Zitaten aus Goethe-Werken und begleitenden Erklärungen – so wird der alte Dichterfürst auch für die Kids wieder interessanter. 

Eco, Umberto /F. d'Agay: Saint Exupéry - Sein letzter Flug
Übersetzt von Luwig Webel, J.M. Garnier, Anne Berling
»Sollte ich abgeschossen werden, empfinde ich nicht das geringste Bedauern.« 
Ein Autorencomic über das Verschwinden des Schriftstellers, der mit seinem Kleinen Prinz unsterblich wurde: Sehr gelungen ist die Verbindung von einführendem Vorwort durch Umberto Eco, dem Essay von d'Agay, der auch Originalfotos lieferte, und der hervorragenden Comicstory, in der während der letzten Minuten vor dem Absturz die Vergangenheit zur Gegenwart wird.

Dürrenmatt, Friedrich: Der Richter und sein Henker
 
Literatur als Comic, das ganze Werk in schwarz-weiß-Zeichnungen - das scheint zeitgemäß und besonders für Eltern eine Chance, den Nachwuchs zu interessieren.

 

Bildbände

Ellis/Seebohm/Sykes: Mit Büchern leben
Übersetzt von Gisela Sturm und Klaus Sticker

»Wenn die Leute mich fragen: Sammeln Sie Bücher?, antworte ich: Nein, die Bücher sammeln mich.« Durchgehend mit großformatigen Farbfotografien von Privatbibliotheken berühmter Bibliophiler illustriert, wird der Betrachter in einen Bücherrausch versetzt. Vorschlag: Jeden Tag eine neue Doppelseite aufschlagen und offen liegenlassen!

Susanne von Meiss, Reto Guntli: Bücher Welten - Von Menschen und Bibliotheken

Ein weiterer prächtiger Bildband von Gerstenberg. Diesmal kommen die Büchermenschen mit ins Spiel: Historische und zeitgenössische Sammler, Designer, Künstler, Verleger, Autoren und andere erlauchte Mitglieder des Lit-Set, aber immmer in bookisher Umgebung.

Isolde Ohlbaum: Autoren Autoren

Dieser großartige Fotobildband ist durchgehend mit Portraits von Schriftstellern, Momentaufnahmen, Fotos im Kreis von Schriftsteller-Freunden oder der Muse auf vier Pfoten illustriert - sehr persönliche, sensible Aufnahmen dieser großen Fotografin, dazu ein Vorwort von Elke Heidendreich.

Erlesene Orte

Lieblingsleseplätze von Literaten, Verlegern, Künstlern und anderen prominenten Buchliebhabern, die zeigen, was und wo sie enspannt oder angeregt am liebsten lesen. Der Fotograf vermittelt die Stimmung und Atmosphäre auf großformatigen Farbseiten - stimulierend. Wieder ein schönes Coffee Table Book.

Kinder- und Jugendbücher

Jörg Müller: Das Buch im Buch im Buch (Sauerländer)
"Ich wollte ein Bilderbuchmaler sein und ein Buch machen mit dem Titel Das Buch im Buch im Buch. Aber dann habe ich dieses Umschlagbild angefangen und bin immer tiefer hineingeraten und jetzt finde ich nicht mehr raus!", sagt der Mann im Buch, der um Hilfe gerufen hat. Und weil der Junge sich ein Katzenbuch wünscht und nicht eins, in dem ein großer Hase herumläuft und über seine Schulter guckt, verspricht er dem Bilderbuchmaler herauszuhelfen. Aber dazu muss er selbst ganz tief hineingehen ins Buch und weiter ins nächste und wieder nächste. Die 3-D-Brille soll dem Leser helfen, die Reise des Jungen ins Innere mitzumachen. Ein großformatiges Bilderbuch mit ungewöhnlichem Schutzumschlag und nahezu surrealen Bildern. Viel Spaß auf der Durchreise!
J. Patrick Lewis, Roberto Innocenti: Hotel zur Sehnsucht Deutsch von Hans ten Doornkaat (Sauerländer)
Ein Kinder- und junge Erwachsenenbuch mit hinreißenden Illustrationen, aber auch ein literarisches Rätselbuch für Eltern mit Kindern, die sich für klassische Kinderliteratur interessieren. Denn im Hotel zur Sehnsucht stehen unter anderen auch Peter Pan, Oliver Twist und Huckleberry Finn im Gästebuch, aber wir begegnen noch anderen guten Bekannten. aus der Literatur, die sprechen wie in ihren Geschichten. Sie warten darauf vom Leser erkannt zu werden - märchenhaft und wunderbar.
Marjaleena Lembcke, Susann Opel-Götz: Die Geschichte von Tapani, vom Fernfahrer Frisch und der roten Ente (Sauerländer)
"... du liest ja viel. Vielleicht wird aus dir eines Tages ein Schriftsteller", sagt die Bibliothekarin zu Tapani. Die Hauptrolle hat die rote Holzente, die dem Jungen Tapani in Finnland übers Meer zuschwimmt und einen Zettel um den Hals trägt. Sie kommt von Herrn Frisch aus Deutschland und bringt über kleine Umwege beiden Glück. Eine kleine Geschichte, die Mut macht, wenn alles in der Wirklichkeit so verfahren aussieht.

Bernard Clavel: Eine Burg aus Papier - Bilder von Yan Nascimbene

Ab 8 Jahre

Durchgehend farbig illustriert - Während der Vater in seiner Bibliothek sitzt,um ein Gedicht in 4512 Versen zu verfassen, baut sich sein Sohn eine Burg aus Büchern - eine Vater-Sohn-Geschichte ums Schreiben und Büchersammeln

Robin Friedmann: Wie ich meine Sommerferien überlebte

Ab 10 Jahre

Jackie will einen tollen Roman schreiben und hat auch schon den ersten Satz gefunden. Zu Beginn jedes Kapitels hat er eine neue Idee wie es weitergehen muss und während er noch grübelt, entwickelt sich der Roman über den Roman, der schließlich immerhin eine Geschichte wird, die sogar einen Preis gewinnt

Herr Fuchs mag Bücher

Der kleine Herr Fuchs mag Bücher zum Fressen gern und das bringt ihn schließlich ins Gefängnis. Dort ist er gezwungen, selbst Bücher zu schreiben, um satt zu werden - und mehr verrate ich nicht. Die köstlichen Illustrationen und der Text stammen von der phantasievollen Illustratorin Franziska Biermann und sind ein Genuss für Kinder und Erwachsene und ... Kinderbuchsammler!

Katharina von Bredow: Als ob nichts wäre

Ab 15 Jahre

"Es ist gut jemand anderen lesen zu lassen, was man geschrieben hat. Weil man dann das Geschriebene von außen, mit den Augen des Lesers betrachten kann." Elin schreibt Gedichte und besucht einen Schreibkurs für Literarisches Schreiben. Dort begegnet sie Paul, dem Vater ihrer besten Freundin, in den sie sich verliebt und von dem sie sich verführen läßt, damit beginnen die Probleme und ein Gefühlschaos, das mit einer schmerzlichen Erfahrung endet ...Tagebucheinträge, Briefe und Erzähltes, einfühlsam ohne Sentimentalität -- sehr gut!

Annette Göder/Daniel Sohr: Wir machen Schlagzeilen - Reporter und Zeitungsmacher in Aktion

Ab 12 Jahre

Ein farbig illustriertes Jugendbuch für Schüler, die wissen wollen, wie eine Zeitung gemacht wird: Alle Bereiche Redaktion, Archiv, Marketing, Produktion und Werbung werden überzeugend dargestellt und erklärt und Tipps für Schülerzeitungen gegeben. Außerdem: So wird man Redakteur - ein Berufsbild.

Benjamin Prado: Was glaubst du eigentlich, wer du bist?

Ab 14 Jahre, anspruchsvoll

"Und eines Tages schlagt ihr ein Buch auf, das anders ist als die anderen, einen Roman, der ein großes Geheimnis in eure Hände legt." Stevenson ist die Hauptperson, aber Dickens und andere gehören mit in die Handlung, die neben der Realität auf verschiedenen Ebenen spielt und das Problem der Ohnmacht und der Stärke der Unterlegenen berührt.

Ole Könnecke: Doktor Dodo schreibt ein Buch

Ab 12 Jahre

Dr. Dodo ist zwar ein schon lange ausgestorbener, aber in dieser Story ein solcher Glücksvogel, daß er aus schierer Langeweile ein Buch schreiben kann. Auf 32 4-Farbseiten in vielen Bildern begegnen ihm eine Menge realistische Schreibprobleme, deren unkomplizierte Lösung jeden echten Schriftsteller vor Neid erblassen läßt. Der Text ist witzig, schön ironisch für den Kenner und ermutigend für Kinder.

Bibbi Bokkens magische Bibliothek

Eine seltsame Frau beobachtet Berit und Nils als sie ein Gedicht schreiben. Damit beginnt die mysteriöse Geschichte um die magische Bibliothek - ein ganzes Tagebuch füllt sie und wird am Ende zum selbstgeschriebenen Buch. Zwei großartige Autoren haben uns ein wunderbares Jugendbuch über das Lesen und das Schreiben geschenkt.