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Siehe auch: 16.2.2007 - Von Markus Hänsel bis zu Donatus Prinz von Hohenzollern - Gedanken zur Identität eines Autors im 20. und 21. Jahrhundert
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Jonathan Franzen: Schriftsteller gegen Sofort-Befriedigung

Im Interview mit Felicitas von Lovenberg (Der Fluch der Freiheit FAZ vom 8.9.2010) beantwortet der Schriftsteller die Frage danach, ob Film und Buch tatsächlich miteinander konkurrieren.

Manche sagen, Fernsehserie wie Sopranos, Mad Men oder The Wire seien die großen Romane unserer Zeit. Sehen Sie darin ein Konkurrenz?

“Nein, Ich will den Roman auf seinem eigenen Turf vertedigen, und da wird er von keinem anderen Medium in Frage gestellt. Wenn Anna Karenina ihren Kopf auf die Schiene legt, sind wir auf eine Art und Weise bei ihr, wie das bei keiner Figur im Film möglich ist. Dennoch würde ich zustimmen, dass die guten Fernsehserien heute das leisten, was der Gesellschaftsroman im neunzehnten Jahrhundert – Zola, Dickens, zum Teil Balzac, nicht so sehr Tolstoi – tat: die großen sozialen Probleme anhand einer Vielzahl von Figuren spannend verhandeln. … Der Feind ist nicht das Fernsehen, sondern das Internet, das jeden neuen Tag in eine Million bedeutungsloser Partikel zerbricht.
Ich glaube, Schriftsteller müssen heute unnachgiebiger denn je versuchen, Erzählungen zu schaffen, die die Menschen von der oberflächlichen Sofort-Befriedigung wegholen.
Insofern konkurriere ich vielleicht doch, aber nicht, weil ich glaube, dass das Internet etwas besser kann, sondern im Gegenteil: weil ich denke, dass das Internet und die sozialen Netzwerke bösartige Drogen sind, die enormen gesellschaftlichen und psychologischen Schaden anrichten.
Der Roman in seiner besten Form kann Menschen an die besseren, stilleren, tiefer in sich ruhenden Seiten ihres Selbst erinnern.”