Autoren-Magazin

Unabhängige, kritische Informationen von Manfred Plinke für Autoren mit aktuellen News, Meinungen, Tipps, Seminaren, Adressen.
Zitat des Tages: »Schreiben ist wie das Austragen eines Fötus.« – Edna O’Brien

Fragen, die Sie nie stellen sollten

Und zwar deshalb, weil Sie sich dadurch als ahnungsloser, ignoranter Neuling outen.
Es ist kein Makel, Neuling zu sein. Jeder hat irgendwann einmal sein erstes Drehbuch geschrieben. Solange nicht eines Ihrer Drehbücher verfilmt worden ist, sind Sie Anfänger. Dagegen ist nichts zu sagen. Der Makel liegt darin, ahnungslos und ignorant zu sein.
Sie sollten die Spielregeln und Voraussetzungen Ihres Berufs kennen, bevor Sie mit jemandem aus der Branche reden. Es gibt viele Internetseiten und Bücher, die Ihre Fragen beantworten können. Erfahrene Autoren, die solche Anfängernöte kennen, werden ungeduldig, wenn sie mit immer denselben dummen Fragen konfrontiert werden. Agenten, Redakteure, Produzenten und Dramaturgen sowieso.

Hier die häufigsten Fragen:

(Auszug aus Vivien Bronners Schreiben fürs Fernsehen)

Was kann ich tun, damit mein Drehbuch nicht geklaut wird?
Zeigen Sie es niemandem.
Im Ernst: Drehbücher werden kaum jemals geklaut - weil das riskant sein kann. Etablierte, seriöse Firmen tun das nicht. Es wird oft die Möglichkeit genannt, das Drehbuch eingeschrieben an sich selbst oder einen Dritten zu schicken und den Umschlag verschlossen aufzubewahren. Damit hätten Sie einen Nachweis dafür, zu welchem Datum das Drehbuch bereits existierte. Schaden kann es nicht, helfen tut es aber nur, wenn Sie im Ernstfall tatsächlich bereit und finanziell in der Lage wären, zu klagen. Man hört von Autoren, deren Drehbuch abgelehnt worden sei und dann sei ein ganz ähnlicher Film in Produktion gegangen. Aber so gut wie nie hört man, dass der Autor geklagt habe.
Fazit: Sie können sich nicht schützen, es sei denn, Sie zeigen Ihr Buch niemandem.
Noch eine erschütternde Erkenntnis:
Ideen sind nicht viel wert. Sie denken, Sie hätten eine grandiose, neue Idee für einen Film, aber vermutlich kursiert dieselbe Idee bereits bei mindestens vier Firmen. Ideen, Stoffe und Themen liegen in der Luft, die atmen wir alle. Ideen haben auch Redakteure und Produzenten jeden Tag. Ideen entstehen als Fließbandware in jedem der vielen Drehbuchseminare, die mittlerweile in Deutschland abgehalten werden. Wenn wirklich ein Produzent einem Autor, mit dem er gut zusammenarbeitet, eine Idee geben will, dann ist es vermutlich seine eigene oder die, die er soeben von einem Mitarbeiter einer TV-Redaktion gehört hat.
Ideen sind nicht viel wert. Gute Drehbücher sind es. Auf die Ausführung kommt es an. Und wenn Sie Ihre Idee in ein gutes Drehbuch umgesetzt haben, will man es nicht klauen, sondern haben!

Wie erhalte ich das Urheberrecht für mein Drehbuch?
Indem Sie es schreiben. Damit erwirbt der Autor das Urheberrecht und braucht nicht einmal das berühmte © aufs Titelblatt setzen oder das Drehbuch registrieren lassen.

Wohin schickt man Drehbücher?
An Filmproduktionsfirmen, bestimmte Sender und Drehbuchagenturen. Adressen mit näheren Angaben finden Sie in Script-Markt - Handbuch Film & TV. Sie können auch bei TV-Filmen auf den Nachspann achten, worin die produzierende Firma angeführt wird. Filme, die Ihrem Werk entsprechen oder deren Produktion Ihnen gut gefällt, könnten von Produktionsfirmen stammen, die auch an Ihrem Drehbuch interessiert sind.

Wie schickt man Drehbücher?
Mit der Post, nicht per E-Mail.

Bietet man Exposés, Treatments oder Drehbücher an?
Sie sind angehender Autor? Sie wollen einen Käufer von Ihrem Können überzeugen? Dann brauchen Sie ein Drehbuch. Mindestens. Besser wäre, Sie hätten noch zwei weitere als Leseprobe.
Ja, es stimmt, manche Firmen legen Wert darauf, zuerst Exposés zu lesen. Manchmal wünschen Firmen im ersten Kontakt nur Exposés - richten Sie sich nach ihren Angebotswünschen, wie sie in Script-Markt verzeichnet sind. Was auf jeden Fall nicht funktioniert: die Geschichte lediglich als Exposé oder Treatment zu schreiben, dieses anzubieten und erst auf Auftrag das Drehbuch zu schreiben.
Letztlich müssen Sie ja auch sich selbst erst überzeugen. Immer wieder bieten Autoren zehn verschiedene Exposés an und hoffen auf einen bezahlten Drehbuchauftrag. Dann stellt sich heraus, dass sie noch nie ein Drehbuch geschrieben haben.

Wie sollten Brief und Drehbuch aussehen?
In Ihrem Begleitbrief erläutern Sie kurz, wer Sie sind und welche Art Drehbuch Sie senden. Schreiben Sie keine Hymnen über Ihr Werk ("... einmalig, noch nie da gewesen - ein Film, den Millionen sehen werden ..."). Drehbuch und Begleitbrief können in der Firma leicht getrennt werden, deshalb stehen auf dem Titelblatt Ihr Name und Ihre Kontaktadresse. Das gilt auch, wenn Sie das Drehbuch persönlich übergeben.
Versenden Sie Ihr Drehbuch mit einen Schnellhefter gebunden, am besten nur auf einer Heftleiste, ohne Plastikumschlag. Ein Drehbuch, das sich nach Papier anfühlt, ist sinnlicher.

Es kommt doch auf den Inhalt an, nicht nur auf die äußere Form?
Schon. Aber ein Drehbuch soll zum Lesen einladen. Also sauber, schlicht und fehlerfrei sein. Versenden Sie nur neue Ausdrucke. Drehbücher wirken nur dann professionell, wenn sie ohne Bildchen, Cliparts, Dekors, Folien, Rahmen und Schnörkel sind.
"Aber", so fragt an dieser Stelle gerne der von sich selbst wenig überzeugte Anfänger, "kann man denn nicht irgendetwas auf das Deckblatt setzen, damit sich das Drehbuch von anderen abhebt und auch bestimmt gelesen wird?"
Ja. Einen richtig guten Titel.
Denken Sie lieber zwei Wochen länger nach, bevor Sie Ihr Baby mit einem langweiligen Titel und einem verschämten "Arbeitstitel" in Klammern versehen. Finden Sie einen Titel, der Spannung und Konflikt verspricht, präzise ist und Ihrem Stoff entspricht. Und wenn Sie Ihren richtig guten Titel gefunden haben, dann schreiben Sie ihn wie das ganze Skript in Courier 12 Punkt, nicht fett, nicht unterstrichen, einfach auf das Deckblatt.
Rechtschreib-, Grammatik-, und Tippfehler hinterlassen einen unangenehmen Eindruck Ihrer Persönlichkeit. Fehler wie "spühren", "wiedersprüchlich", "verlohren" können Sie nicht als Tippfehler beschönigen. Das ist mangelhaftes Deutsch. Lassen Sie Ihr Drehbuch von einem Korrektor lesen, bevor Sie es anbieten.

Wer liest mein Drehbuch?
Je nach Art und Größe des Unternehmens ein Dramaturg, der Lektor, Redakteur, Produzent oder deren Assistenten. Wenn dem ersten Leser Ihr Drehbuch gefällt, hat er einen steinigen Weg vor sich. Er muss aus Ihrem Drehbuch ein Projekt machen. Wahrscheinlich gibt er das Buch einem Kollegen oder Lektor, um seine Meinung bestätigen zu lassen. (Ist Ihr Drehbuch fest gebunden und daher schlecht kopierbar, könnte es schon daran scheitern!) Dann muss er seinen Chef überzeugen, das Drehbuch auf die interne Projektliste zu setzen. Zum ersten Mal taucht Ihr Titel in den internen Firmenbesprechungen auf. Der Produzent oder Dramaturg wird mit Ihnen Kontakt aufnehmen, vielleicht ein Treffen vereinbaren. Nehmen wir an, alles verläuft soweit positiv. Schließlich entscheidet sich die Firma, eine Option auf Ihr Drehbuch zu nehmen. Es bekommt jetzt eine Projektnummer und erscheint auf der Kostenstelle der Dramaturgie.


Was bedeutet Drehbuchentwicklung?
Nun beginnt ein monatelanges Ringen zwischen Firma und Autor, später kommt der Redakteur des Senders hinzu. Das nennt man Drehbuchentwicklung und viele begabte Autoren scheitern nicht am Schreiben der Erstfassung, sondern in dieser Phase des Umschreibens, Umdenkens, der Kompromisse, der Gespräche, der Taktik und des Teamworks. Das wissen Produzenten. Deshalb ist es für sie immer ein zusätzliches Risiko, mit einem Anfänger zu arbeiten. Vom ersten Lesen bis zum ersten Drehtag vergeht eine lange Zeit, in der ein Filmproduzent viel Energie, Gefühl und Kreativität in ein Projekt steckt und ein Gutteil seines Renommees von Ihrem Talent abhängig macht.
Ist Ihr Drehbuch voller Fehler, haben Sie leider den letzten Trumpf aus der Hand gegeben: "Schon, aber mit so einem schlampigen Autor willst Du auf diesen steinigen Weg gehen? Der bringt das nicht!" Zwei Wochen später haben Sie einen Brief in der Post: "Leider passt Ihr Stoff nicht in unser derzeitiges Anforderungsprofil. Wir wünschen Ihnen anderweitig viel Glück."
Also: Schreiben Sie sorgfältig, schauen Sie durchaus mal in einen Duden, lassen Sie Ihr Werk Korrektur lesen und auf längere Sicht gesehen: Lernen Sie Deutsch!

Welche Stoffe werden derzeit gesucht?
Mehr darüber und vieles andere mehr in: Fürs Fernsehen schreiben

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