Autoren-Magazin

Unabhängige, kritische Informationen von Manfred Plinke für Autoren mit aktuellen News, Meinungen, Tipps, Seminaren, Adressen.
Zitat des Tages: »Ich hatte immer nur schreiben wollen.« – Paul Auster

Schriftsteller im Gefängnis

Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).

Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05

Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org

Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen

 

Fall des Monats

Hrant Dink

Oktober 2005

Hrant Dink, Herausgeber der armenisch-türkischen Wochenzeitung Agos und bekannter Kommentator für armenische Angelegenheiten steht aufgrund einiger Bemerkungen auf einer Konferenz im Jahr 2002 wegen „Beleidigung des türkischen Staates“ vor Gericht. Falls er verurteilt wird, muss er mit mehreren Jahren Haft rechnen. Er befindet sich augenblicklich in Berufung gegen ein Bewährungsurteil, das wegen des gleichen Vorwurfs verhängt wurde.

Das Verfahren wegen „Beleidigung des türkischen Staates“ begann am 28. April 2005 in Sanliurfa im Südosten des Landes, wo die Konferenz zu den Themen „Globale Sicherheit, Terror und Menschenrechte, Multikulturalismus, Minderheiten und Menschenrechte“ im Jahr 2002 stattfand. Dink, der bei der Anhörung nicht anwesend war, erzählte Agence France Press von seinem Büro in Istanbul aus, dass er glaube, die Anklage beruhe auf seiner Antwort auf die Frage, was er empfunden habe, als er in der Grundschule den üblichen allmorgendlichen Eid leisten musste. Der patriotische Spruch, den alle türkischen Schüler auswendig können müssen, beginnt mit folgenden Worten: „Ich bin Türke, aufrichtig und fleißig.“
„Ich antwortete, dass ich zwar aufrichtig und fleißig sei, aber kein Türke, sondern Armenier“, erklärte Dink. Er sagte außerdem, er habe eine Zeile aus der türkischen Nationalhymne kritisiert, in der von „meiner heroischen Rasse“ die Rede ist. „Ich sagte, ich würde diese Zeile nicht gerne singen, weil mir der Ausdruck ‚Rasse’ nicht gefiele, der nur zu Diskriminierung führen könne“, sagte Dink weiter. Falls er dafür verurteilt wird, drohen ihm bis zu drei Jahre Haft. Die nächste Anhörung findet am 9. Februar 2006 statt.

Am 7. Oktober 2005 wurde Dink in zweiter Instanz in Istanbul zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Grund für die Anklage war ein Artikel in der Wochenzeitschrift Agos, in dem er über die Bedeutung des Massakers an den Armeniern 1915-17 auf die heutige armenische Diaspora schrieb. Auch noch ein Jahrhundert später ist diese Angelegenheit ein heikles Thema; mehrere Länder verlangen, dass das Massaker als Genozid anerkannt wird, während die Türkei argumentiert, die Tötungen seien während eines Bürgerkriegs geschehen, in dem auch Türken gefallen sind.
Das Gericht berief sich insbesondere auf einen Satz in seinem Artikel, der die Armenier dazu auffordert, den „verdorbenen Teil ihres türkischen Blutes“ zurückweisen - laut Gericht eine Beleidigung der „türkischen Identität“. Dink erklärt hierzu, er habe im Gegenteil eine Reihe von Artikeln als Aufruf an die Armenier in der Diaspora geschrieben, „die sich durch ihren Zorn auf die Türken vergiften lassen.“ Sein Ziel sei es, so Dink, die Spannungen zwischen Türken und Armeniern zu vermindern. Dink kündigte Berufung gegen das Urteil an. 

Appelle:

Protestieren Sie gegen die Entscheidung, Hrant Dink wegen der friedlichen Ausübung seines Rechts auf freie Rede anzuklagen, und fordern Sie die Regierung auf, die Klage fallen zu lassen.

Weisen Sie darauf hin, dass die Meinungsfreiheit durch den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und die Europäische Menschenrechtskonvention, die die Türkei unterzeichnet hat, garantiert wird.

Adressen:

The Minister of Justice Mr. Cemil Çiçek
Ministry of Justice
Adalet Bakanligi
06659 Ankara, Turkey
Fax +90 312 4185667
Anrede: Dear Minister

Prime Minister Recep Tayyip Erdogan
TC Easbakanlik
Bakanlikir
Akara, Turkey
Fax: +90 312 417 0476
Anrede: Dear Prime Minister

Vorhergehende Fälle

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Links zu Medien- und Meinungsfreiheit

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Article 19

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Human Rights in the Internet

Human Rights Watch (New York)

Institut für Menschenrechte, Berlin

International Helsinki Federation

Index on Censorship

Instituto Prensa y Sociedad

International Freedom of Expression Exchange

Nürnberger Menschenrechtszentrum

Verein "Journalisten helfen Journalisten"