Schriftsteller im Gefängnis
![]() |
Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).
Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05
Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org
Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen
Fall des Monats
Rakhim Esenov
November 2005
Rakhim Esenov, Romanautor, Historiker und freiberuflicher Korrespondent für Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL) wird vorgeworfen, mit seinem Roman Ventsenosny Skitalets (Der gekränzte Wanderer) „sozialen, nationalen und religiösen Hass unter Nutzung der Massenmedien“ angestachelt zu haben. Derzeit wird gegen ihn ermittelt. Falls er verurteilt wird, drohen ihm vier Jahre Gefängnis.
Der gekränzte Wanderer spielt im Mogulreich des 16. Jahrhunderts und dreht sich um die Figur des Bayram Khan, Poet, Philosoph und General, der Turkmenistan vor der Zersplitterung bewahrt haben soll. Seit zehn Jahre darf Esenovs Buch unter Präsident Saparmurad Niyazov nicht erscheinen; der Präsident warf dem Autor öffentlich eine Verfälschung der Geschichte vor und verlangte Korrekturen, die durchzuführen Esenov sich weigerte. Der „historische Irrtum“ bezieht sich wahrscheinlich auf Esenovs Portrait des Bayram Khan als Schiit statt als Sunnit.
Esenov, 78, wurde von Mitgliedern des Turkmenischen Ministeriums für Nationale Sicherheit (MNB) befragt, nachdem er am 23. Februar 2004 von einem Auslandsaufenthalt zurückgekehrt war. Der Autor, der zwei Tage vor seiner Inhaftierung einen Herzanfall erlitten hatte, bekam während des Verhörs einen Herzschlag und wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Zwei Tage später wurde er jedoch erneut verhört und anschließend unter strenger Bewachung des MNB auf die Intensivstation gebracht. Am 26. Februar überführte man ihn nach einer offiziellen Anklage in ein MNB-Gefängnis.
Esenov wird außerdem beschuldigt, Informationen über Telefongespräche mit dem früheren Außenminister Turkmenistans, Avdy Kuliev, zurückzuhalten. Kuliev, Schlüsselfigur der Opposition und beharrlicher Kritiker des Niyazov-Regimes, lebt im Moskauer Exil.
Am 9. März 2004 wurde Esenov wieder freigelassen, steht jedoch immer noch unter Anklage und wird überwacht, während die Ermittlungen fortgeführt werden. Ihm wurde verboten, für RFE/RL zu arbeiten und das Land zu verlassen, obwohl er dringend ärztliche Hilfe benötigt, die er in Turkmenistan nicht bekommen kann.
Appelle:
Weisen Sie auf Turkmenistans internationale Gesetzesverpflichtung zur Gewährleistung der Meinungsfreiheit hin.
Drücken Sie Ihre Besorgnis aus, dass Esenov aufgrund der friedlichen Ausübung dieses Rechts – sowohl in seinem Roman Der gekränzte Wanderer als auch während seiner Arbeit für RFE/RL – verfolgt wird.
Verlangen Sie, dass die Anklage gegen ihn fallengelassen und sein Buch zum Druck freigegeben wird.
Fordern Sie, dass er seinen Beruf als Journalist wieder ausüben darf und dass die Schikanen gegen die Journalisten, insbesondere gegen die Mitarbeiter von RFE/RL, aufhören.
Fordern Sie, dass er sich frei bewegen darf, so dass er ins Ausland reisen kann und die dringend benötigte ärztliche Hilfe erhält.
Adresse:
President Saparmurad Niyazov
744000 g. Ashgabat
Apparat Prezidenta
Prezidentu Turkmenistana Niyazovu S.A.
Turkmenistan
Fax: +993 12 35 51 12
(Anrede: Dear President)
Vorhergehende Fälle
März 2009 / Februar 2009 / November 2008 / Oktober 2008 / September 2008 / August 2008 / Juli 2008 / Juni 2008 / Mai 2008 / April 2008 / März 2008 / Februar 2008 / Dezember 2007 / November 2007 / Oktober 2007 / September 2007 / Juli 2007 / Juni 2007 / Mai 2007 / April 2007 / März 2007 / Februar 2007 / Januar 2007 / November 2006 / Oktober 2006 / September 2006 / August 2006 / Juli 2006 / Juni 2006 / Mai 2006 / April 2006 / März 2006 / Februar 2006 / Januar 2006 / Dezember 2005 / November 2005 / Oktober 2005 / September 2005 / August 2005 / Juli 2005 / Juni 2005 / Mai 2005 / April 2005 /
Links zu Medien- und Meinungsfreiheit
Amnesty International, deutsche Sektion
Article 19
Freedom House (New York)
Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte
Human Rights in the Internet
Human Rights Watch (New York)
Institut für Menschenrechte, Berlin
International Helsinki Federation
Index on Censorship
Instituto Prensa y Sociedad
International Freedom of Expression Exchange
