Autoren-Magazin

Unabhängige, kritische Informationen von Manfred Plinke für Autoren mit aktuellen News, Meinungen, Tipps, Seminaren, Adressen.
Zitat des Tages: »Ich bewegte mich zu langsam. Es war viel leichter, ein Dichter zu sein.« – T.S. Eliot (über seine Zeit als Boxer)

Schriftsteller im Gefängnis

Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).

Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05

Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org

Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen

 

Fall des Monats

Orhan Pamuk

Dezember 2005
Orhan Pamuk
Türkei:

Das englische PEN-Center erwartet mit großer Sorge den Prozess, der dem türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk am 16. Dezember 2005 in Istanbul gemacht werden soll. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu drei Jahren Gefängnis für eine Bemerkung, die Anfang des Jahres in einer Schweizer Tageszeitung gedruckt wurde.

Pamuk wurde angeklagt, weil er sich in einem Interview für den Schweizer Tagesanzeiger am 6. Februar 2005 unter anderem über die Tötungen in der Türkei in den Jahren 1915 bis 1917 geäußert hat: „Man hat hier dreißigtausend Kurden umgebracht. Und eine Millionen Armenier. Und niemand traut sich, das zu erwähnen.“ Die Türkei bestreitet die Todesfälle nicht, weist aber den Ausdruck „Genozid“ vehement zurück. Mit den „30.000 Kurden“ meint Pamuk all jene Opfer, die in den Konflikten zwischen der türkischen Armee und kurdischen Separatisten getötet wurden. Debatten über diese Themen werden durch strenge Gesetze verboten und haben schon zuvor zu langen Verhandlungen, Verurteilungen und in manchen Fällen Gefängnisstrafen geführt.

Artikel 301/1 des Türkischen Strafgesetzbuches, unter dem Orhan Pamuk angeklagt wird, ist ein typisches Beispiel. PEN hält es für ungeheuerlich, dass das Strafgesetz eines Staates, der sowohl den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte als auch die Europäische Menschenrechtskonvention unterzeichnet hat - in beiden nimmt das Recht auf freie Rede eine zentrale Stellung ein -, Klauseln aufweist, die diesen Prinzipien eindeutig widersprechen.

Der Artikel 301/1 lautet: Eine Person, die ausdrücklich das Türkentum, die Republik oder die Große Nationalversammlung beleidigt, muss mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten bis zu drei Jahren rechnen. Außerdem legt der Artikel fest, dass die Beleidigung mit einem erhöhten Strafmaß geahndet wird, wenn ein türkischer Bürger diese im Ausland äußert. Und das ist bei Pamuk der Fall.

Orhan Pamuk ist einer der bekanntesten Autoren der Türkei. Seine Werke sind weltweit in über zwanzig Ländern veröffentlicht worden. 2003 bekam er den Internationalen IMPAC Award für Rot ist mein Name. Der Roman Schnee aus dem Jahr 2004 wurde ähnlich hoch gelobt. Sein neustes Werk, Istanbul, ist eine persönliche Geschichte seiner Heimatstadt. Beim International Writer’s Day des englischen PEN war er Gastredner (siehe unter www.englishpen.org/events/recentevents/internationalwritersday2004 ) und im Oktober 2005 erhielt er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

Appelle bitte an:

Prime Minister Racep Tayyip Erdogan
TC Basbaskanlik
Ankara
Turkey
Fax: 00 90 312 417 0476

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