Autoren-Magazin

Unabhängige, kritische Informationen von Manfred Plinke für Autoren mit aktuellen News, Meinungen, Tipps, Seminaren, Adressen.
Zitat des Tages: »Literatur darf keine fertigen Erklärungen liefern, Literatur ist ein Spiel der Gedanken.« – Paolo Maurensig

Schriftsteller im Gefängnis

Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).

Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05

Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org

Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen

 

Fall des Monats

Naziha Rjiba

Mai 2006

Naziha Rjiba ((geschrieben auch Neziha Rejiba))
Tunesien:

Naziha Rjiba (auch bekannt als Om Zied) ist Herausgeberin der arabischsprachigen Ausgabe des Online-Magazins Kalima (ww.Kalima.tunisie.com), Menschenrechtsaktivistin und Vizepräsidentin des Observatoire pour la liberté de presse, d’édition et de création en Tunesie (OLPEC/www.observatoire-olpec.org.).

Rjiba wird wegen ihrer im Internet veröffentlichter Texte und der Meinungen, die sie im Satelliten-Fernsehen äußert, konstant verfolgt und schikaniert und steht unter polizeilicher Beobachtung. Auch ihre Familie ist seit kurzem Opfer politischer Verfolgung.

Laut Berichten, die PEN nach der zweiten Phase des Weltgipfels der Informationsgesellschaft (WSIS) in Tunesien vom 16. bis 18. November 2005 erreichten, erhielt Rjiba eine Warnung einer Person aus Regierungskreisen. Diese Person sagte ihr, „die Obrigkeit sei verstimmt über gewisse Artikel, in der sie die Exzesse von Menschen in Machtpositionen und die wachsende Korruption in der politischen Elite kritisierte“. Sie wurde außerdem darauf hingewiesen, dass Repressalien gegen sie und ihre Familie zu erwarten seien. Während der zweiten Phase des WSIS stand Rjibah unter strenger Polizeiüberwachung. Polizisten in Zivil waren in ihrem Garten postiert, und man hatte die Kommunikationsleitungen unterbrochen. Als Rjiba am 14. November 2005 versuchte, einer Vorbereitungskonferenz zum Bürgergipfel am Goethe-Institut am Rande des WSIS beizuwohnen, wurde sie von der Polizei angegriffen.

Am 18. November 2003 wurde Rjiba zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung und 1200 tunesischen Dinar verurteilt, weil sie angeblich gegen Zollbestimmungen verstoßen habe. Es wird allgemein angenommen, die Vorwürfe seien fingiert worden, um ihrem Image als politische Aktivistin und couragierte Journalistin zu schaden. Das Urteil wurde gefällt, nachdem Rjiba die ständige Präsenz von Präsident Ben Alis Portraits in der Öffentlichkeit kritisiert hatte. In einem Brief aus dem Jahr 2003 an den tunesischen Kultusminister sprach die Journalistin außerdem die Verschlechterung des Schulsystems in den vergangenen zehn Jahren an und sprach sich scharf gegen die Praxis der regierenden Partei (RCD) aus, Bildung als Propagandamittel einzusetzen. Sie forderte eine öffentliche Debatte mit Tunesiern verschiedener politischer Richtungen, um eine weitere Verschlechterung des Systems zu verhindern und „die Schulen vor der Republik zu bewahren“. Rjiba, die fast dreißig Jahre Lehrerin gewesen ist und sich in dieser Zeit zur Aufgabe gemacht hat, das Konzept der Menschenrechte in den Lehrplan einzubauen, reichte dem Minister in diesem Brief die Kündigung ein. Im Dezember 1987 schrieb sie knapp fünf Wochen nach Amtsantritt von Präsident Ben Ali einen Artikel, in dem sie den Regierungschef aufforderte, sein Versprechen auf ein demokratisches Tunesien in die Realität umzusetzen. Die unabhängige Wochenzeitschrift Errai (Meinung), in der der Text erschien, wurde vom Markt genommen.

Das Online-Magazin Kalima sollte ursprünglich als unabhängige Zeitung in Tunesien veröffentlicht werden. Da dies durch die Regierung aber unmöglich gemacht wurde, wurde entschieden, Kalima im Netz zu publizieren. Die erste Ausgabe erschien im Oktober 2000. Da die Website jedoch in Tunesien selbst blockiert ist, kann nur außerhalb des Landes darauf zugegriffen werden. Eine Blockierung von Seiten, die Widerstand jeglicher Art gegen die tunesische Regierung bieten, ist in dieser Republik üblich.

Naziha Rjiba erhielt mit ihrer Kollegin Sihem Bensedrine, die die Herausgeberin der französischsprachigen Version von Kalima ist, 2005 den Novib/Pen-Award.

Appelle, um Naziha Rjiba das Recht der freien Meinungsäußerung nach Artikel 19 der Universaldeklaration für Menschenrechte der Vereinten Nationen zu garantieren, ohne dass sie eine Verfolgung durch die tunesische Regierung befürchten muss, bitte an:

Président Zine El Abidine Ben Ali
Président de la République
Palais Présidentiel
Tunis
Tunisie
Fax: + 216 71 744 721/731 009

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Links zu Medien- und Meinungsfreiheit

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