Autoren-Magazin

Unabhängige, kritische Informationen von Manfred Plinke für Autoren mit aktuellen News, Meinungen, Tipps, Seminaren, Adressen.
Zitat des Tages: »Literatur darf keine fertigen Erklärungen liefern, Literatur ist ein Spiel der Gedanken.« – Paolo Maurensig

Schriftsteller im Gefängnis

Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).

Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05

Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org

Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen

 

Fall des Monats

Sumi Khan

Oktober 2006

Sumi Khan
Bangladesh
Sumi Khan, Korrespondentin des Magazins Shaptahik 2000 in der Stadt Chittagong, wurde am 27. April 2004 im Stadtteil Nandan Kanon durch Messerstiche schwer verletzt. Der Überfall fand um ungefähr 22.30 Uhr statt, als sie zu einem Kurierdienst unterwegs war, um einen Artikel an ihren Redakteur zu schicken.

Die Angreifer, drei Männer in einer Auto-Rikscha, versuchten, sie in das Fahrzeug zu zerren, und stachen mehrmals auf sie ein, als sie Widerstand leistete. Passanten kamen ihr zur Hilfe, und die Männer nahmen ihre Tasche und fuhren davon. Khan verlor das Bewusstsein und wurde in ein Krankenhaus gebracht. In den Wochen vor der Attacke hatte sie mehrfach Drohanrufe erhalten, in denen man sie warnte, in ihren Artikeln keine weiteren „Diffamierungen“ zu äußern. Weitere Drohanrufe gingen ein, während Khan sich zu Hause von ihren Verletzungen erholte.
Bisher ist niemand im Zusammenhang mit dem Angriff festgenommen oder angeklagt worden. Zwischen dem 10. und dem 12. März 2005 gingen Drohbriefe in ihrem Büro ein, die laut Informationen von lokalen islamistischen Gruppen stammten, über deren Aktivitäten die Journalisten in ihren Artikeln berichtet hatte. In den Briefen wurde sie aufgefordert, augenblicklich sämtliche Artikel über diese Gruppe zurückzuziehen, andernfalls müsse sie mit Bombenanschlägen auf ihr Büro und ihr Haus rechnen.

Im Dezember 2005 erhielten Sumi Khan und eine Reihe anderer Journalisten aus Chittagong, sowie Polizisten und verschiedene Regierungsbeamten aus dem ganzen Land Morddrohungen. Laut Presseberichten wurde der Drohbrief an den Presse-Club in Chittagong geschickt und stammt vermutlich von der verbotenen islamistischen Gruppe Jamaatul Mujahideen Bangladesh (JMB), die außerdem drohte, den Presse-Club in die Luft zu sprengen. Es wird angenommen, dass diese Drohungen Teil einer Kampagne sind, mit der einige islamistische Gruppen die demokratische Gesellschaft in Bangladesh, das Recht auf freie Rede und die Glaubensfreiheit und das Rechtssystem zu unterminieren versuchen. Die Regierung hat laut vorliegenden Informationen Polizeischutz für den Presse-Club angeordnet und außerdem kürzlich einige verdächtige Mitglieder der JMB festgenommen. Dennoch gab es, soweit PEN informiert ist, weder Untersuchungen in Bezug auf die Morddrohungen, noch wurden Maßnahmen zum Schutz der betroffenen Personen getroffen.

Sumi Khan hat eine Reihe kritischer Artikel über die mutmaßliche Beteiligung von Lokalpolitikern und religiösen Gruppen an Entführungen, Landenteignungen und Angriffen gegen Minderheiten verfasst. Als Menschenrechtsaktivistin befindet sie sich in Bangladesh in ernster Gefahr. Die Opfer von Morddrohungen und Angriffen werden nicht beschützt; die Täter, vermutlich von den Personen angeheuert, die in den Artikeln erwähnt werden, können häufig auf die Unterstützung einflussreicher Politiker hoffen. Gewalttätige Übergriffe und Drangsalierungen bleiben ungestraft und sind die Hauptursache für Menschenrechtsverletzungen in Bangladesh.

Sumi Khan ist 34 Jahre alt und zweifache Mutter.

Trotz der Tatsache, dass Bangladesh für Journalisten eines der gefährlichsten Länder dieser Welt ist – 2004 wurden über 200 Personen angegriffen –, und trotz ihrer Verletzungen ist Sumi Khan entschlossen, ihr Werk fortzusetzen: „Solange ich am leben bin, werde ich arbeiten.“

Quellen: AI und RSF

Vorhergehende Fälle

März 2009 / Februar 2009 / November 2008 / Oktober 2008 / September 2008 / August 2008 / Juli 2008 / Juni 2008 / Mai 2008 / April 2008 / März 2008 / Februar 2008 / Dezember 2007 / November 2007 / Oktober 2007 / September 2007 / Juli 2007 / Juni 2007 / Mai 2007 / April 2007 / März 2007 / Februar 2007 / Januar 2007 / November 2006 / Oktober 2006 / September 2006 / August 2006 / Juli 2006 / Juni 2006 / Mai 2006 / April 2006 / März 2006 / Februar 2006 / Januar 2006 / Dezember 2005 / November 2005 / Oktober 2005 / September 2005 / August 2005 / Juli 2005 / Juni 2005 / Mai 2005 / April 2005 /


 

Links zu Medien- und Meinungsfreiheit

Amnesty International, deutsche Sektion

Article 19

Forum Menschenrechte

Freedom House (New York)

Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte

Human Rights in the Internet

Human Rights Watch (New York)

Institut für Menschenrechte, Berlin

International Helsinki Federation

Index on Censorship

Instituto Prensa y Sociedad

International Freedom of Expression Exchange

Nürnberger Menschenrechtszentrum

Verein "Journalisten helfen Journalisten"