Schriftsteller im Gefängnis
![]() |
Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).
Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05
Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org
Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen
Fall des Monats
Ragip Zarakolu
November 2006
Ragip Zarakolu
Türkei
Durch die Veröffentlichung von Büchern, die von der türkischen Regierung als subversiv eingestuft werden, hat der Verleger Ragip Zarakolu es in den vergangenen dreißig Jahren vielen Opfern von Ungerechtigkeit und Staatsgewalt möglich gemacht, von einem breiteren Publikum gehört und gelesen zu werden.
Seit vielen Jahren wird er aus diesem Grund schikaniert, verfolgt, verklagt und immer wieder inhaftiert. In den 70er Jahren verbrachte er drei Jahre im Gefängnis, seine Frau hat ebenfalls mehrere Jahre eingesessen. Das Verlagshaus wurde 1995 von Rechtsextremisten bombardiert.
Zuletzt begann im Mai 2005 ein Verfahren gegen den Verleger, weil er eine Übersetzung von Erlebnisse eines Armenischen Arztes: Das Izmirer Tagebuch von Garabet Hacheryan von Dora Sakayan veröffentlichte. Die Anklage nach Artikel 159 lautete auf „Verunglimpfung des Türkentums und der Sicherheitskräfte“ und wird unter Artikel 301 des neuen türkischen Strafgesetzbuchs fortgesetzt.
Außerdem war im März desselben Jahres bereits ein Verfahren eröffnet worden, in dem man ihm unter Artikel 159 (und anschließend ebenfalls Artikel 301) „Verunglimpfung des Staats und der Republik“ sowie „Beleidigung des Andenkens an Atatürk“ nach Gesetz Nr. 5816 vorwarf, weil er die türkische Übersetzung eines Buchs von George Jerjian, Die Wahrheit wird uns befreien: Versöhnung von Armeniern und Türken, herausgab. Der Prozess dauert bis heute an.
Die finanziellen Mittel vorausgesetzt, hofft Zarakolu die türkischen Ausgaben des Blue Book* aus Großbritannien, Armin Wegners Zeugnisse, Captanians Zeugnisse von 1915 und eine Sammlung von Zabel Yeseyans Arbeiten herausgeben zu können, sowie eine Fotodokumentation der armenischen Deportation in die syrische Wüste.
Zarakolu ist Ehrenmitglied des englischen PEN und Gewinner des NOVIB/PEN Free Expression Award 2003.
* Das so genannte Blue Book ist die offizielle Publikation des britischen Parlaments „The Treatments of the Armenians in the Ottoman Empire 1915-16 – Documents presented to Viscount Grey of Fallodon by Viscount Bryce“, aus dem Jahr 1916.
„Ragip Zarakolu ist ein außergewöhnlich mutiger Mann. In seinen Artikeln und Veröffentlichungen scheut er vor keinem Tabu-Thema zurück. Er ist einer der Streiter für das Recht auf freie Meinungsäußerung. Obwohl in der westlichen Welt kaum bekannt, wird er von den wenigen Menschenrechtsaktivisten, die ihn kennen, hoch geschätzt. Gegen ihn laufen mehrere Verfahren, die in einem juristischen Katz-und-Maus-Spiel künstlich in die Länge gezogen werden. Er mahnt uns, uns für all jene einzusetzen, denen in einer Zeit, in der in der Türkei Verlage geplündert und Verleger verhaftet werden, das Recht auf freie Meinungsäußerung streitig gemacht wird.“
Richard McKane
- Zeigen Sie sich besorgt, dass Verfahren gegen Autoren, Journalisten und Verleger fortgesetzt werden und immer neue Anklagen dazukommen, die das Recht auf die freie Rede einschränken.
- Drängen Sie darauf, dass die Verfahren eingestellt und jene Gesetze getilgt werden, welche die freie Rede unter Strafe stellen.
- Fordern Sie die türkische Regierung auf, alles zu tun, um das Recht auf freie Meinungsäußerung zu schützen und zu fördern.
Appelle an:
Prime Minister Recep Tayyip Erdogan
Office of the Prime Minister
Basbakanlik
06573 Ankara
Turkey
Fax: + 90 312 417 0476
Foreign Minister and State Minister for Human Rights
Mr. Abullah Gül
Office of the Prime Minister
06573 Ankara
Türkei
Fax: + 90 312 287 8811
Vorhergehende Fälle
März 2009 / Februar 2009 / November 2008 / Oktober 2008 / September 2008 / August 2008 / Juli 2008 / Juni 2008 / Mai 2008 / April 2008 / März 2008 / Februar 2008 / Dezember 2007 / November 2007 / Oktober 2007 / September 2007 / Juli 2007 / Juni 2007 / Mai 2007 / April 2007 / März 2007 / Februar 2007 / Januar 2007 / November 2006 / Oktober 2006 / September 2006 / August 2006 / Juli 2006 / Juni 2006 / Mai 2006 / April 2006 / März 2006 / Februar 2006 / Januar 2006 / Dezember 2005 / November 2005 / Oktober 2005 / September 2005 / August 2005 / Juli 2005 / Juni 2005 / Mai 2005 / April 2005 /
Links zu Medien- und Meinungsfreiheit
Amnesty International, deutsche Sektion
Article 19
Freedom House (New York)
Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte
Human Rights in the Internet
Human Rights Watch (New York)
Institut für Menschenrechte, Berlin
International Helsinki Federation
Index on Censorship
Instituto Prensa y Sociedad
International Freedom of Expression Exchange
