Autoren-Magazin

Unabhängige, kritische Informationen von Manfred Plinke für Autoren mit aktuellen News, Meinungen, Tipps, Seminaren, Adressen.
Zitat des Tages: »Ein guter Satz geht immer in die Kindheit zurück.« – Peter Handke

Schriftsteller im Gefängnis

Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).

Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05

Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org

Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen

 

Fall des Monats

M. Bekschon, Usbekistan

April 2007

Muhammad Bekschon (Bekjanov)
Usbekistan

Der Journalist Muhammad Bekschon, besser bekannt als ‚Bekjanov’, war einer der führenden regimekritischen Stimmen Usbekistans nach dem Zerfall der Sowjetunion. Nachdem Präsident Islam Karimov 1991 an die Macht kam, arbeitete Bekjanov gemeinsam mit seinem Bruder Muhammad Salih bei Erk, der Zeitung der gleichnamigen Oppositionspartei. Auch nach Verbot der Zeitung im Jahr 1994 äußerte Bekjanov weiterhin  Kritik an der Regierung.

Aufgrund des massiven Vorgehens der Regierung gegen die Dissidenten floh Bekjanov in die Ukraine. Im Zusammenhang mit einer Reihe von Bombenanschlägen in Taschkent nahm man ihn jedoch am 15. März 1999 in Kiew fest und lieferte ihn nach Usbekistan aus. Außer ihm wurden noch mehrere andere politische Aktivisten und Schriftsteller verhaftet, die später aussagten, während der Verhöre mit Elektroschocks, Schlägen und Drohungen, weibliche Familienmitglieder zu vergewaltigen, gefoltert und unter Druck gesetzt worden zu sein.

Bekjanovs Bruder, Rashid Bekzhon, wurde mit ihm verhaftet, während ein weiterer Bruder, Komil Bekzhon, ein Bauer ohne bekannte politische Verbindungen, im Mai 1999 verschwand. Bekjanovs Frau floh in die Vereinigten Staaten.

Im August 1999 wurden Bekjanov zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt. Die Anklage lautete auf „Veröffentlichung und Verbreitung einer verbotenen Zeitung, die verleumderische Kritik an Präsident Islam Karimov enthält, Teilnahme an verbotenem politische Protest und der Versuch, das Regime zu stürzen.“ Außerdem befand das Gericht ihn für schuldig, illegal das Land verlassen und den usbekischen Pass zerstört zu haben. Nach dem Prozess wurde Bekjanov laut Quellen in die Strafkolonie 64/46 in Navoi überführt. Nach neuen Informationen wurde er 2005 in die Gefängniskolonie 64/62 in Kagan verlegt.

Um den Gesundheitszustand Bekjanovs im Gefängnis besteht große Sorge. Durch Unterernährung ist er extrem abgemagert. Verwandte, die ihn Anfang 2001 besuchten, waren alarmiert von seinem Zustand und berichteten, er habe Krücken gebraucht. 2003 wurde Bekjanov erstmals seit seiner Inhaftierung vom Centre for War and Peace Reporting und der Associated Press interviewt. Das Interview fand im Gefängniskrankenhaus von Taschkent statt, wo Bekjanov wegen Tuberkulose behandelt wurde. Bekjanov berichtete, er werde täglich geschlagen und gefoltert; ein Beinbruch und Taubheit auf dem rechten Ohr sei die Folge davon.

Bekjanovs Fall ist repräsentativ für die fortgesetzten Angriffe auf unabhängige Journalisten und Schriftsteller in Usbekistan. Seit dem Andijan-Massaker im Mai 2005 sind die Übergriffe auf Medien, politische Opposition und Bürgerrechtsorganisation noch häufiger geworden. Im Januar 2007 wurde die Pressefreiheit der Massenmedien, in die erstmals auch explizit Internetseiten eingeschlossen wurden, noch weiter eingeschränkt.


Vorhergehende Fälle

März 2009 / Februar 2009 / November 2008 / Oktober 2008 / September 2008 / August 2008 / Juli 2008 / Juni 2008 / Mai 2008 / April 2008 / März 2008 / Februar 2008 / Dezember 2007 / November 2007 / Oktober 2007 / September 2007 / Juli 2007 / Juni 2007 / Mai 2007 / April 2007 / März 2007 / Februar 2007 / Januar 2007 / November 2006 / Oktober 2006 / September 2006 / August 2006 / Juli 2006 / Juni 2006 / Mai 2006 / April 2006 / März 2006 / Februar 2006 / Januar 2006 / Dezember 2005 / November 2005 / Oktober 2005 / September 2005 / August 2005 / Juli 2005 / Juni 2005 / Mai 2005 / April 2005 /


 

Links zu Medien- und Meinungsfreiheit

Amnesty International, deutsche Sektion

Article 19

Forum Menschenrechte

Freedom House (New York)

Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte

Human Rights in the Internet

Human Rights Watch (New York)

Institut für Menschenrechte, Berlin

International Helsinki Federation

Index on Censorship

Instituto Prensa y Sociedad

International Freedom of Expression Exchange

Nürnberger Menschenrechtszentrum

Verein "Journalisten helfen Journalisten"