Schriftsteller im Gefängnis
![]() |
Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).
Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05
Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org
Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen
Fall des Monats
Hu Shigen, China
Mai 2007
Hu Shigen, China
Hu Shigen, Professor am Pekinger Fremdspracheninstitut, sitzt gegenwärtig eine zwanzigjährige Haftstrafe im Pekinger Gefängnis Nr.2 ab. Hu Shigen, der für politischen Aktivismus und kritische Schriften bekannt ist, wurde 1992 unter dem Vorwurf „konterrevolutionärer“ Aktionen verurteilt, weil er an der Planung für Gedenkfeiern zum 4. Juni (dem Tiananmen-Massaker) in verschiedenen chinesischen Großstädten beteiligt war.
Nachdem er am 27. Mai 1992 in Peking verhaftet wurde, hielt man ihn vier Monate illegal fest, bevor er formell inhaftiert und verurteilt wurde.
Hu Shigen gehört zu einer großen Gruppe politischer Häftlinge, die gemeinsam angeklagt wurden. Nach zahlreichen Verzögerungen und fragwürdigen juristischen Verfahrensweisen begann der Prozess der Gruppe im Juli 1994 und dauerte bis zur Urteilsverkündung am 16. Dezember 1994. Neun der Angeklagten wurde zu Haftstrafen zwischen drei und zwanzig Jahren verurteilt, fünf wurden schuldig gesprochen, jedoch nicht eingesperrt, weil sie bereits zweieinhalb Jahre in Haft gesessen hatten, und einer wurde zu zwei Jahren „Überwachung“ verurteilt und musste in der Folge starke Einschränkungen in seiner persönlichen Freiheit hinnehmen. Als Mitglied der Freiheits- und Demokratie-Partei Chinas erhielt Hu Shigen die längste Haftstrafe, an der auch die Berufung am Obersten Gerichtshof im Juni 1995 nichts änderte. Außerdem verurteilte man ihn dazu, nach der Haftstrafe fünf Jahre lang auf seine politischen Rechte verzichten zu müssen.
Hu Shigen erhielt seinen Magister in Chinesischer Literatur an der Beijing Universität im Jahr 1986. Er gründete die Liberale Demokratische Partei Chinas (LDPC) und den Freien Arbeiterbund. Als Mitglied beider Parteien verfasste er verschiedene Dokumente und rief die Regierung auf, die Verantwortung für die gewaltsame Unterdrückung der Demokratiebewegung im Juni 1989 zu übernehmen. Unter seinen veröffentlichten Schriften befinden sich Artikel zum Gedenken an die Opfer des 4. Juni 1989.
Da Hu Shigen nicht von seinen politischen Ansichten abgeht, wurden er vor kurzem unter „Klasse 2 Beobachtung“ gestellt; Mithäftlinge überwachen ihn rund um die Uhr über Monitore und verhindern, dass er mit jemandem spricht. Seit seiner Inhaftierung hat er seine Frau und seine 19-jährige Tochter nur einmal gesehen.
Laut Berichten wurde Hu Shigen gefoltert; seine rechte Hand war gebrochen und ist nun deformiert. Außerdem leidet er unter Neurasthenie, Migräne, Leber-, Herz-, Magen- und Darmbeschwerden. Seine durch einen verschobenen Wirbel verursachten Rückenprobleme können zu Lähmungen führen, doch eine Verlegung in ein Krankenhaus oder angemessene ärztliche Hilfe wird ihm versagt, ebenso das Hörgerät, nach dem er verlangt. Die mangelhafte Gefängniskost trägt zu seinem schlechten Gesundheitszustand bei.
Hu Shigen ist Ehrenmitglied des Englischen PEN
Senden Sie Appelle, in denen Sie gegen die Haft und die Behandlung von Hu Shigen protestieren, an:
His Excellency Hu Jintao
President of the People's Republic of China
State Council
Beijing 100032
P.R. China
Her Excellency Ms Wu Aiying
Minister of Justice
10 Chaoyangmen Nandajie
Chaoyang-qu
Beijing-shi 100020, PRC
Vorhergehende Fälle
März 2009 / Februar 2009 / November 2008 / Oktober 2008 / September 2008 / August 2008 / Juli 2008 / Juni 2008 / Mai 2008 / April 2008 / März 2008 / Februar 2008 / Dezember 2007 / November 2007 / Oktober 2007 / September 2007 / Juli 2007 / Juni 2007 / Mai 2007 / April 2007 / März 2007 / Februar 2007 / Januar 2007 / November 2006 / Oktober 2006 / September 2006 / August 2006 / Juli 2006 / Juni 2006 / Mai 2006 / April 2006 / März 2006 / Februar 2006 / Januar 2006 / Dezember 2005 / November 2005 / Oktober 2005 / September 2005 / August 2005 / Juli 2005 / Juni 2005 / Mai 2005 / April 2005 /
Links zu Medien- und Meinungsfreiheit
Amnesty International, deutsche Sektion
Article 19
Freedom House (New York)
Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte
Human Rights in the Internet
Human Rights Watch (New York)
Institut für Menschenrechte, Berlin
International Helsinki Federation
Index on Censorship
Instituto Prensa y Sociedad
International Freedom of Expression Exchange
