Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).
Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05
Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org
Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen
Fabio Prieto Llorente wurde bei einer Razzia gegen vermeintliche kubanische Dissidenten am 18. März 2003 festgenommen. In den nachfolgenden drei Tagen, die als „Schwarzer Frühling“ bezeichnet werden, wurden neunzig andere Regimegegner, darunter sechsundzwanzig Journalisten, als „Agenten des amerikanischen Feindes“ verhaftet.
Prieto, Korrespondent der verbotenen Havana Press Agency und der früheren Nachrichtensite cubafreepress.org, war einer von vierunddreißig Journalisten, Schriftstellern und Bibliothekaren, die in Schnellverfahren am 3. und 4. April verurteilt wurden. Die Anhörungen wurden hinter verschlossenen Türen abgehalten, ohne dass den Angeklagten genügend Zeit eingeräumt wurde, eine überzeugende Verteidigung vorzubereiten. Prieto wurde nach dem Gesetz Nr.88 zum „Schutz der nationalen Unabhängigkeit und Wirtschaft Kubas“ zu zwanzig Jahren Haft verurteilt.
Im August 2003 soll Prieto für die Beleidigung eines Staatssicherheitsbeamten einundzwanzig Tage lang in Einzelhaft verbracht haben. Im Januar 2004 wurde er erneut mit Einzelhaft bestraft, weil er aus Protest gegen die Zusammenlegung mit gewöhnlichen Verbrechern, von denen einige laut seiner Aussage gefährlich seien, in Hungerstreik getreten war. Ebenfalls mit Hungerstreik protestierte er im gleichen Jahr gegen die Haftbedingungen und versuchte zu erreichen, dass man ihn in ein anderes Gefängnis, näher am Zuhause seiner Familie auf der Isla de la Juventud, verlegte.
Im Februar 2005 soll Prieto in eine Strafzelle von einer Größe von ein Meter zwanzig mal drei Meter gesperrt worden sein. Warum oder wieder lange er dort gefangen gehalten sollte, wurde offen gelassen. Im Mai 2005 wurde er in diesen beengten Räumlichkeiten mit einer Reihe gewöhnlicher Krimineller zusammengebracht, so dass er praktisch sein Bett nicht mehr verlassen konnte. Wie immer wieder berichtet wird, setzt die Obrigkeit Häftlinge dazu ein, gegen gewisse Hafterleichterungen politische Gefangene zu schikanieren.
Im Oktober 2005 befand sich Prieto noch immer in dieser Zelle, da er sich weigerte, die Gefängnisuniform zu tragen. Laut seiner ältesten Schwester, Clara Lourdes, war diese Weigerung ein Protest gegen die unmenschlichen Haftbedingungen, die mangelhafte medizinische Versorgung und die schlechte Ernährung. Außerdem wird berichtet, dass man ihm Kontakt mit seiner Familie verwehrte, sowie Bewegung an frischer Luft, während er in der Zelle durch ein permanent laufendes Radio am Schlafen gehindert wurde.
Seit Prietos Inhaftierung wurden wiederholt Sorge über seinen Zustand geäußert. Im Juli 2004 erhielt PEN die Information, Prieto leide unter einem chronischen Lungenemphysem. Im April des folgenden Jahres hieß es, sein Gesundheitszustand habe sich noch weiter verschlechtert. Laut Berichten kam Prieto im Mai 2007 wegen Brust- und Rückenschmerzen und niedrigem Blutdruck ins Krankenhaus, wurde aber ins Gefängnis zurückgebracht, bevor alle Tests abgeschlossen waren.
Im Juli 2007 berichtete Reporter ohne Grenzen, dass Prieto endlich in ein Gefängnis auf der Isla de la Juventud transferiert wurde. Obwohl diese Umlegung bedeuten könnte, dass man seine Forderungen nicht länger ignoriert und sich daher eine Besserung seiner Haftbedingungen abzeichnet, soll die Obrigkeit ihm noch immer die medizinische Versorgung vorenthalten, die seine ernsthafte Lungenkrankheit erfordert.
Um Prietos Freilassung aus humanitären und gesundheitlichen Gründen zu erwirken, bittet Pen die Mitglieder, an den kubanischen Botschafter in London zu schreiben:
His Excellency René J. Mujica Cantelar
Embassy of the Republic of Cuba
167 High Holborn
London WC1 6PA