Autoren-Magazin

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Zitat des Tages: »Ich war schon immer nah am Schreiben.« – Sibylle Lewitscharoff

Schriftsteller im Gefängnis

Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).

Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05

Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org

Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen

 

Fall des Monats

Nurmuhemmet Yasin (China)

Oktober 2007

Nurmuhemmet Yasin wurde in Kashgar am 29. November 2004, kurz nach Veröffentlichung seiner Kurzgeschichte „Wildtaube“ (Yawa Kepter) in dem in uigurischer Sprache erscheinenden Kashgar Literatur-Journal, verhaftet. Dabei konfiszierten die Behörden Yasins Computer, auf dem sich um die 1600 Gedichte, Kommentare, Geschichten und ein unvollendeter Roman befanden. Mit ihm verhaftet wurde der Herausgeber des Kashgar Literatur-Journal, Korash Huseyin, der gegenwärtig eine dreijährige Freiheitsstrafte absitzt.

Der Prozess, der ohne Verteidiger und unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, mündete in eine zehnjährige Haftstrafe für „Anstiftung zu uigurischen Separatismus“. Auch eine Berufung änderte an dem Urteil nichts, und Yasin wurde am 19. Mai 2005 ins Gefängnis in Ürümqi transferiert. Bis zum heutigen Tag wurde ihm dort jeder Besuch untersagt.  

Wahrscheinlich beruht die Klage auf der Veröffentlichung der Kurzgeschichte „Wildtaube“, in dem die Ich-Erzählerin, eine junge Taube, von Menschen gefangen, in einen Käfig gesperrt wird und lieber Selbstmord begeht, als ihre Freiheit aufzugeben. „Das Gift der Erdbeere strömt durch meinen Körper“, sagt die namenlose Taube am Ende. „Nun kann ich endlich sterben. Es ist, als stünde meine Seele in Flammen – sie schwebt frei dahin.“

Yasins Geschichte wurde auf einer der größten Literatur-Webseiten in der Uigurischen Autonomen Region für einen bedeutenden Literaturpreis vorgeschlagen, doch die chinesischen Behörden betrachteten sie offenbar als Kritik an der Regierung in der Autonomen Region von Xinjiang.

Nurmuhemmet Yasin, 32 Jahre alt, ist preisgekrönter freier Schriftsteller und Ehrenmitglied des Englischen PEN. Er hat in den vergangenen Jahren viele von der Kritik gefeierte Werke veröffentlicht. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

„Wildtaube“ wurde von Dolkum Kamberi, Direktor der uigurischen Abteilung von Radio Free Asia (RFA) aus dem Uigurische ins Englische und Chinesische übersetzt. Die Geschichte wurde vom RFA fürs Radio adaptiert, in Englisch von Sarah Jackson-Han bearbeitet und für das englische Web von Luisette Mudie produziert. Die englische Übersetzung ist in zwei Teilen unter folgenden Adressen zu lesen:

http://www.rfa.org/english/uyghur/2005/06/27/wild_pigeon/
http://www.rfa.org/english/uyghur/2005/06/27/wild_pigeon2/

PEN geht davon aus, dass sowohl Yasins als auch Huseyins Verurteilung gegen den Artikel 19 des Internationalen Pakts über Bürger- und politische Rechte verstößt, den China unterzeichnet hat. Um die sofortige und bedingungslose Freilassung Nurmuhemmet Yasins und des Herausgebers Korash Huseyin zu verlangen, schreiben Sie bitte an die chinesische Botschaft in London:

HE Mrs. Fu Ying
Embassy of the People’s Republic of China
49-51 Portland Place
London W1B4JL
Großbritannien

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