Autoren-Magazin

Unabhängige, kritische Informationen von Manfred Plinke für Autoren mit aktuellen News, Meinungen, Tipps, Seminaren, Adressen.
Zitat des Tages: »Ich habe über mich geschrieben und über ein paar Menschen um mich herum.« – Judith Hermann

Schriftsteller im Gefängnis

Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).

Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 900, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05

Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org

Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen

 

Fall des Monats

Aung San Suu Kyi

Dezember 2007
Aung San Suu Kyi, Birmas pro-demokratische Führerin, hat den größten Teil der vergangenen achtzehn Jahre unter Hausarrest in Rangun, Myanmar verbracht. Im Mai 2007 wurde der Arrest um ein Jahr verlängert. Als Autorin vieler Bücher, darunter Der Weg zur Freiheit (1991), Letters from Burma (1997) und The Voice of Hope (1997) wurde sie zum Ehrenmitglied von PEN gewählt. Immer wieder hat PEN gegen die Haft protestiert und ihre bedingungslose Freilassung gefordert.
 
Die Tochter von General Aung San, Held der Unabhängigkeitsbewegung, wurde 1988 Vorsitzende der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) als Folge ihrer landesweiten Protestkampagne gegen die Militärherrschaft. Das Regime reagierte auf die Aufstände mit rigoroser Gewalt, wodurch nahezu fünftausend Demonstranten ums Leben kamen. Der Staatsrat für Frieden und Entwicklung ergriff die Macht, während Aung San Suu Kyi verhaftet und bis 1995 unter Arrest gestellt wurde. 1990 errang die NLD einen überwältigenden Wahlsieg, doch das Militärregime weigerte sich, die Macht abzugeben. Zwischen 2000 und 2002 wurde Aung San Suu Kyi erneut unter Hausarrest gestellt. Nach ihrer Entlassung suchte sie das Gespräch mit dem SPDC und fuhr durchs das Land, um Unterstützung für ihre Partei zu sammeln, bis ihr Konvoi angegriffen und sie im Mai 2003 in den Arrest zurückkehren musste. Laut eigenen Aussagen verbringt sie die Haft mit Meditation, Schreiben und Lesen.
 
Während der diesjährigen Demonstrationen wurde sie zum ersten Mal seit 2003 wieder in der Öffentlichkeit gesehen, als sie ihr Haus verließ, um vor ihrem Tor mit buddhistischen Mönchen zu beten. In den folgenden Wochen war es ihr erlaubt, den Gesandten der UN, Ibrahim Gambari, zu treffen. Ende Oktober fand ein Treffen zwischen Aung San Suu Kyi und einem Verbindungsmann des SPDC, Aung Kyi, statt.
 
In einer Stellungnahme vom 8. November sagte Aung San Suu Kyi:
 
„Ich möchte allen danken, die sowohl in meinem Land als auch außerhalb die ganze Zeit über auf meiner Seite standen. Außerdem bin ich dem Generalsekretär der Vereinten Nationen, Mr. Ban Ki-moon für seine unerschütterlichen Bemühungen zur Aussöhnung und zur Durchsetzung von Demokratie und Menschenrechten in meinem Land zu großem Dank verpflichtet.  
Ich begrüße das Treffen mit dem Minister Aung Kyi. Unser erstes Treffen im 25. Oktober war konstruktiv, und ich freue mich auf weitere Diskussionen. Ich erwarte, dass diese Phase von Vorgesprächen dazu führt, dass sobald wie möglich ein  furchtbarer Dialog mit der Führung der SPDC beginnen kann.
Im Interesse der Nation bin ich bereit, mit der Regierung zu kooperieren, um diesen Dialog zu einem Erfolg zu führen, und begrüße die Bemühungen der Vereinten Nationen, uns in dieser Hinsicht zu unterstützen.
In vollem Bewusstsein der Bedeutung von politischen Parteien in demokratischen Gesellschaften, in tiefem Respekt vor den Opfern, die meine Parteimitglieder gebracht haben, und in meiner Position als Generalsekretärin, werde ich im Sinne der Leitsätze und Wünsche der Nationalliga für Demokratie handeln. Dennoch ist es in einer Zeit, in der demokratische Solidarität und nationale Einheit gefordert sind, meine Pflicht, mich außerdem mit einer möglichst breiten Vielfalt an politischen Organisationen und Einflüssen zu beschäftigen, darunter insbesondere die, die die ethnischen Gruppen unseres Landes betreffen.  
Zu diesem Zweck bin ich gewillt, einen konstruktiven Beitrag zu den Dialogen zu leisten und die Regierung und alle relevanten Parteien dazu zu bewegen, es mir gleichzutun.
Ich glaube, dass mein Land vor allem durch Stabilität, Wohlstand, Demokratie, einen inneren Frieden und Respekt vor den Menschenrechten zu der Entwicklung und Stabilität der Region in enger Partnerschaft mit den Nachbarländern und Mitgliedern der ASEAN beitragen kann und eine positive Rolle in der internationalen Gemeinschaft spielen wird.“ 
 
Der Englische PEN organisierte kürzlich eine Feier zu Ehren  Aung San Suu Kyis und ihrer weniger bekannten Schriftstellerkollegen, die ebenfalls verfolgt werden oder unter Arrest stehen. Bei diesem Ereignis wurde ein offener Brief am Aung San Suu Kyi verlesen, mit dem PEN seine Solidarität mit den couragierten Autoren dieses Landes bekundete, und den alle Anwesenden unterschrieben.
 
Wir ermutigen alle PEN-Mitglieder, Appelle zur Freilassung Aung San Suu Kyis an den Repräsentanten der Regierung Myanmars in London zu richten:
 
His Excellency U Nay Win
Embassy of the Union of Myanmar
19A Charles St
Berkeley Square
London W1J5DX
 

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