Autoren-Magazin

Unabhängige, kritische Informationen von Manfred Plinke für Autoren mit aktuellen News, Meinungen, Tipps, Seminaren, Adressen.
Zitat des Tages: »Wenn es mir schlecht geht, gehe ich nicht in die Apotheke, sondern zu meinem Buchhändler.« – Philippe Dijan

Schriftsteller im Gefängnis

Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).

Spendenkonto für Writers in Prison:
Nr. 130 808 901, Commerzbank Darmstadt, BLZ 508 400 05

Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org

Für die Freiheit von Schriftstellern setzen sich auch ein:
Reporter ohne Grenzen

 

Fall des Monats

Huang Jinqiu, China

August 2008

Huang Jinqiu wurde am 13. September 2003 kurz nach seiner Rückkehr aus Malaysia verhaftet, wo er drei Jahre lang an der Central Academy of Art Journalismus studiert hatte.

Während seines Studiums hatte er auf der chinesischsprachigen Website Boxun unter dem Pseudonym Qing Shuiju eine Reihe von Essays veröffentlicht, die ihm eine stetig anwachsende Berühmtheit verschaffte. Anfang 2001 wurde die chinesische Regierung auf die Artikel aufmerksam und warnte die Familie angeblich, man mache sich „Sorgen“ um Huang Jinqius Aktivitäten. Im Januar 2003 sorgte er für noch mehr Unruhe, als er auf Boxun ankündigte, eine patriotisch-demokratische Partei Chinas gründen zu wollen. In die Tat umgesetzt wurde dieses Vorhaben aber vermutlich nicht.

Huang Jinqiu schrieb auch nach seiner Rückkehr nach China für Boxun und beschwerte sich auf der Website, dass er auf seinen Reisen von der chinesischen Geheimpolizei verfolgt worden sei. Laut den Artikeln begann die Beschattung am 15. August 2003 in der Provinz Yunan und setzte sich in Sichuan und in Shanghai fort. Anfang September besuchte er seine Familie in der Provinz Shandong und veröffentlichte am 10. September 2003 seinen letzten Artikel mit dem Titel „Ich und meine Freunde von der Staatssicherheit“. Kurz darauf wurde er festgenommen, seine Eltern erhielten die Nachricht seiner Verhaftung jedoch erst im Januar 2004.

Huangs Prozess begann am 22. Juni 2004 in Changzhou; am 27. September des gleichen Jahres wurde er wegen Veröffentlichung reaktionärer Artikel im Internet und „Gefährdung der Staatsmacht“ zu zwölf Jahren Haft und vier Jahren Entzug der politischen Rechte verurteilt. Im November 2007 wurde die Strafe um ein Jahr und zehn Monate reduziert, so dass er am 12. November 2013 freigelassen werden müsste. Er sitzt gegenwärtig im Pukou-Gefängnis in Nanjing, Provinz Jiangsu.

Hintergrund:
Huang Jinqiu lernte am Lu Xun Institut, einer führenden Schreibschule. Im Alter von zwanzig Jahren veröffentlichte er sein erstes Buch und arbeitete seit seinem 18. Lebensjahr als Journalist und Redakteur für verschiedene Zeitungen und Magazine. Seine Essays sind in zwei Bände gesammelt worden; einer enthält unpolitische Texte, die er unter seinem Namen veröffentlichte, der andere politische, für die er aus Sicherheitsgründen ein Pseudonym verwendete.

Huang Jinqiu ist Ehrenmitglied des deutschen, amerikanischen, englischen sowie des unabhängigen chinesischen PEN. 

Protestieren Sie gegen die Haft Huang Jinqiu und fordern Sie seine sofortige und bedingungslose Freilassung in Übereinstimmung mit dem Artikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, den China unterzeichnet hat. Drängen Sie darauf, dass seine Familie und eine gesetzliche Vertretung freies Besuchsrecht erhält und dass er in seiner Haft human behandelt wird.
 
Appelle bitte an:
His Excellency Hu Jintao
President of the People's Republic of China
State Council
Beijing 100032
P.R. China.
 
Mr. Meng Jianzhu
Minister of the Public Security
East Chang'an Avenue 14
100741 Beijing
P.R. China
 
Da es für diese Adressen keine freigegebenen Faxnummern gibt, ist es möglicherweise einfacher, die Appelle mit der Bitte um Weiterleitung an die chinesische Botschaft im jeweiligen Land zu senden. 
 

Vorhergehende Fälle

März 2009 / Februar 2009 / November 2008 / Oktober 2008 / September 2008 / August 2008 / Juli 2008 / Juni 2008 / Mai 2008 / April 2008 / März 2008 / Februar 2008 / Dezember 2007 / November 2007 / Oktober 2007 / September 2007 / Juli 2007 / Juni 2007 / Mai 2007 / April 2007 / März 2007 / Februar 2007 / Januar 2007 / November 2006 / Oktober 2006 / September 2006 / August 2006 / Juli 2006 / Juni 2006 / Mai 2006 / April 2006 / März 2006 / Februar 2006 / Januar 2006 / Dezember 2005 / November 2005 / Oktober 2005 / September 2005 / August 2005 / Juli 2005 / Juni 2005 / Mai 2005 / April 2005 /


 

Links zu Medien- und Meinungsfreiheit

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Article 19

Forum Menschenrechte

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Human Rights in the Internet

Human Rights Watch (New York)

Institut für Menschenrechte, Berlin

International Helsinki Federation

Index on Censorship

Instituto Prensa y Sociedad

International Freedom of Expression Exchange

Nürnberger Menschenrechtszentrum

Verein "Journalisten helfen Journalisten"