Schriftsteller im Gefängnis
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Das Writers-in-Prison-Committee wurde 1960 gegründet, als Reaktion auf die bedrohlich wachsende Zahl der Länder, die versuchen, Schriftsteller durch Repressionen mundtot zu machen. Auch verfolgter Verleger, Redakteure und Journalisten nimmt sich das Committee inzwischen an.
Wir veröffentlichen hier den jeweiligen Fall des Monats (übersetzt von Kerstin Winter).
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Mehr Informationen auf: Writers in Prison Committee
www.englishpen.org
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Reporter ohne Grenzen
Fall des Monats
Normando Hernández González, Kuba
März 2009
Normando Hernández González, Direktor des Colegio de Periodistas Independientes de Camagüey und Journalist für die in Miami verwaltete Website CubaNet, wurde am 24. März 2003 als vermeintlicher Dissident während einer Verhaftungswelle festgenommen.
Er war einer von 35 Journalisten, Autoren und Bibliothekaren, die am 3. und 4. April 2003 in eintägigen Verhandlungen verurteilt wurden. Die Anhörungen wurden hinter verschlossenen Türen abgehalten und boten den Angeklagten nicht genügend Zeit, eine Verteidigung aufzubauen. Normando Hernández González wurde – angeblich wegen Regierungskritik auf Radio Martí - zu 25 Jahren Haft unter Berufung auf Artikel 91 und anderen Artikeln des kubanischen Strafgesetzbuches verurteilt.
Seit Beginn seiner Gefangenschaft leidet Hernández ständig unter Gesundheitsproblemen wie Bluthochdruck, Unterleibsbeschwerden, Herz-, Verdauungs- und Atemprobleme und enormem Gewichtsverlust. Außerdem wurde er von Wachen und Mithäftlingen misshandelt und in Zellen mit geistesgestörten Häftlingen gesteckt, von denen einige extrem gefährlich sein sollen.
Im März 2004 berichtete Hernández, seine Frau sei erst zu ihm gelassen worden, nachdem sie von den Wachen nackt ausgezogen und verhört worden sei. Am 7. Mai 2004 wurde er in Block 8 verlegt, in dem gewöhnliche Kriminelle inhaftiert sind, und zusammengeschlagen, als er Anti-Castro-Slogans rief. Angeblich trat er noch am selben Tag aus Protest gegen die Verlegung in Hungerstreik und wurde kurz darauf in eine Strafzelle gesperrt. Er beendete seinen Hungerstreik schließlich, und obwohl die genauen Umstände nicht bekannt sind, wird angenommen, dass er mit der Gefängnisverwaltung wegen der zukünftigen Zelle verhandelt hat.
Am 22. November 2004 informierte man seine Frau, dass Hernández an einer durch eine Reihe von Unterleibsbeschwerden hervorgerufener chronischer Diarrhö litt, wodurch er stark abgemagert sei. Im gleichen Monat wurde er wegen Tuberkulose und Magenbeschwerden ins Krankenhaus gebracht, soll jedoch, wie einige Monate später bekannt wurde, am 28. Juli 2005 in seine Zelle im Gefängnis Kilo 5 ½ zurückgekehrt sein.
Im Dezember 2006 wurde Hernández nach Ohnmachtsanfällen wieder ins Krankenhaus eingeliefert. Laut Berichten war er derart abgemagert, dass sein Zustand lebensbedrohlich war. Trotzdem brachte man ihn ins Gefängnis zurück, wo er zwei Monate später laut Zeugen zusammengeschlagen wurde. Bis man ihm erlaubte, den Vorfall offiziell anzuzeigen, verweigerte er das Gefängnisessen, nahm aber weiterhin Lebensmittel zu sich, die von draußen kamen. Sein schlechter Gesundheitszustand bereitet ihm beim Essen noch immer Schwierigkeiten.
Im Mai 2007 wurde berichtet, Hernández leide nun zusätzlich unter einer Lungenentzündung und einer chronischen Magen-Darm-Entzündung. Darüber hinaus sei er immer wieder positiv auf Tuberkulose getestet worden, ohne dass die Krankheit bei ihm zum Ausbruch kam. Als seine Frau ihn im Juni 2007 besuchte, wog er nur noch 53 Kilo und befand sich in einem extrem schlechten Gesundheitszustand.
Am 14. Dezember 2007 wurde Hernández vom Kilo-7-Gefängnis ins Krankenhaus in Havana verlegt. Man diagnostizierte gastrointestinale Malabsorption und Giardiasis, und obwohl er medizinisch versorgt wurde und regelmäßige Mahlzeiten bekam, war er noch immer extrem dünn und litt unter starken Schmerzen. Hoffnungen auf eine baldige Entlassung aus gesundheitlichen Gründen wurden jedoch zerschlagen, als man ihn am 7. Mai 2008 ins Gefängnis zurückbrachte. Diese Rückführung geschah heimlich und ohne Erklärung. Anschließend soll Hernández in Isolationshaft gehalten worden sein, während man ihm eine Weiterführung der medizinischen Versorgung und eine angemessene Ernährung verweigerte. In Juni 2008 verkündete seine Frau, er würde in den Krankenstation des Gefängnisses gehalten, man habe jedoch auf ihren Appell, ihn freizulassen, nicht reagiert.
Neusten Informationen zufolge wurde Normando Anfang Januar wegen einer Entzündung des Adamsapfels ins Krankenhaus gebracht, das an das Combinado del Este Gefängnis in Havana angeschlossen ist. Er wurde dort allerdings nicht behandelt und unerklärlicherweise Ende Februar wieder zurückgebracht. Angeblich unterzog er sich während des sechswöchigen Krankenhausaufenthalts einer Kernspintomografie und erhielt nur zweimal Besuch eines Spezialisten.
PEN ist zutiefst besorgt um das Wohlergehen unseres Ehrenmitglieds Normando Hernández González. Daher fordern wir auch weiterhin seine sofortige und bedingungslose Freilassung, und drängen die kubanische Regierung, wenigstens für bessere Haftbedingungen, die erforderliche medizinische Hilfe und uneingeschränktes Besuchsrecht zu sorgen.
Hernández González ist Ehrenmitglied des Englischen und Amerikanischen PEN und bekam 2007 den American PEN/Barbara Goldsmith Freemdom to Write Award.
Lesen Sie Jeremy Gerards Artikel „Sick Cuban Writer Gonzalez ist back in Raul Castro’s fetid jail“ (Bloomberg.com, 5. März 2009)
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